Blaulicht


Teil 2

Irgendetwas tropfte auf ihren Kopf. Sie blickte nach oben. Platsch. Nochmal. Irgendetwas nasses prallte auf ihre Stirn und lief ihr Gesicht herunter.
Die nichtssagenden Wolken wurden durch graue ersetzt. Es began zu nieseln.
Resigniert und tonlos setzte sie ihren Weg fort. Sie hörte die quitschigen Geräusche, die ihre Schuhe machten, wenn sie in die nasse, matschige Erde trat.
Sie musste nicht runter gucken, um zu wissen, dass sie ihre Schuhe nach dem Trip in die Waschmaschine tun muss. Sie ging weiter, folgte dem Pfad bergab, wo der Wald noch dichter schien. Um sie herum waren Büsche, der Boden kahl, nur ein paar Osterglöckchen trauten sich hervor.
Der Regen prallte auf das Dach des Waldes nieder und ein leises Trommeln drang durch den Wald. Die Natur spielte in dieser grauen, leeren Gegend Musik.
Die Blätter der Bäume, die sie umgaben, raschelten als der Wind schnell durch sie hindurch zischte. Wie ein Drache flog er durch die braunen Titanen, mit den grünen Blättern und hinterließ Aufruhr im Wald. Vögel machten sich plötzlich auf, etwas raschelte hinter ihr.
Der Wald war nicht grau. Er war lebendig.
Sie wusste nicht wie viel Zeit vergangen war, doch sie wusste, dass es ihr Spaziergang schon länger als üblich ging.
Der leise Regen, tastete sich auch an sie heran, wie ein bekannter Fremder durchdrang er ihre Kapuzen Jacke und hinterließ feuchte Kälte auf ihrem Körper.
Sie bekam Gänsehaut. Zum ersten Mal in ihrem Leben, fühlte sie wieder etwas.
Sie fühlte wie etwas in ihr wieder anfing zu leben.
Doch gerade, gerade wo ihre Mundwinkel endlich wieder schüchtern nach oben gingen wollten. Gerade, als sie tief durchatmen und das Gefühl des Lebens aufnehmen wollte.
Stürzte es vor ihr ab.
Am sechsten März.
Es landete direkt vor ihren Füßen, es zuckte noch ein paar mal bevor es regungslos liegen blieb. Seine Augen weit geöffnet.
Eine pechschwarze Krähe fiel vom Himmel herab.
Sie sah die Krähe einfach nur an. Ein starrer Blick, blickte auf das am Boden liegende Tier. Ihre Mundwinkel nahmen wieder ihre alte Form an.
Die Melodie des Lebens verschwand.
Sie fühlte sich komisch. Irgendwie… depressiv. Und gleichzeitig war sie wütend.
Wütend auf diese graue Welt und wütend auf sich, dass sie Erwartungen zugelassen hatte.
Nun stand sie vor einer pechschwarzen Krähe, mit weit geöffneten Augen.
Sie hockte sich hin. War es wirklich tot? Sie ließ den Blick nicht von der Krähe ab, während ihr Arm um sie herum nach etwas suchte, womit sie die Krähe anstupsen könnte. Um sicher zu gehen.
Nun hockte sie da, pickste eine Krähe mit einem Ast an. Keine Bewegung.
Nochmal.
Immer noch keine Bewegung.
Sie war Tod. Pechschwarz und tot.
Die Melodie des Regens, der auf das Dach des Waldes trommelte, verwandelte sich in lästige, kalte Tropfen, die auf sie hin nieder prassten.
Der Drache, der durch die Bäume zischte, war nun nichts weiter, als störender Wind, der sie zum frieren brachte.
Grau. Wieder mal ist alles grau.
Sie trat den Heimweg an. Der Kopf nach unten gesenkt, drehte sie sich einfach um und überließ alles ihren eigenen Verlauf.
Die Krähe war tot. Und die Welt war grau und leer.

Dilara ❤

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