Edelholz


Teil 2

Sie blickte über die Rezeptionsdame, die ihr Handy rausgeholt hatte und bereit für eine Video Aufnahme war.
Dann blickte sie wieder runter auf ihn.
Sie blickte in seinen Gesichtsausdruck, seine Augenbrauen waren leicht nach oben gezogen. Sie beschaute seinen dunkel blauen Augen, seine Augen die so dunkel blau waren, wie der Himmel währen der Dämmerung.
Sie guckte in die Augen eines Mannes, der ihre Welt zum Stillstand gebracht hatte. Sie guckte in die Augen eines Mannes, dessen Frage, die Zeit angehalten hatte.
Doch etwas war anders an dem Ausdruck seiner Augen. Es war keine Spur mehr von dem feurigen, bestimmenden Blick, den er sonst so gut konnte.
Seine Augen waren weiter geöffnet als sonst, es hatte etwas flehendes. Etwas mitleidendes.
Etwas von einem Welpen. Sollte sie wirklich einen Welpen heiraten?
Auf seiner Stirn hatten sich ein paar Schweißperlen gebildet. Normalerweise schwitze er nie. Er war die Ruhe in Person. Er war selbstbewusst, dass es fast schon an Egoismus grenzte.
Doch anscheinend war er gerade nicht sehr zuversichtlich. Er war nervös.
Ein Mann, der täglich Firmen aufkauft und ausbeutet, war nervös?
Wegen ihr?
Sie musterte seinen Anzug, er hatte ihn sicherlich speziell für diesen Abend ausgesucht, denn sie hatte diesen dunkel blauen Armani Anzug noch nie zuvor gesehen.
Und sie kannte seinen Kleiderschrank in und auswendig.
Es war ein beeindruckender Anzug. Schöne, schwungvolle Nähte. Dunkle, robuste Knöpfe.
Dieser Anzug strahlte Macht und Selbstbewusstsein aus.
Sollte es vielleicht seine Nervosität kaschieren? Sollte dieser Anzug ihr vielleicht Angst einflößen oder sie beeinflussen?
War er so verzweifelt, dass er wirklich versuchen würde, sie mit einem gewaltigen Aussehen zu beeindrucken?
Denkt er, sie wäre so materialistisch, dass er sie so beeinflussen könnte?
Sie blickte wieder herunter an ihre Hände, die er fest an seine klammerte.
Es drückte.
Sie atmete tief durch. Durch die Nase ein, durch den Mund aus.
Sie schloss ihre Augen.
Sie hörte wieder das leise Flüstern, der Zuschauer.
Das Glasgeklipper des Kellners und die Stimme der Rezeption, die eine Buchung aufnahm.
Sie spürte wieder die Wärme seiner Hände, die durch ihre fliesten.
Sie spürte seinen schnellen und nervenaufreibenden Atem, wie er auf ihre Hände traf.
Die Zeit hat wieder angefangen, sich zu drehen.
Und sie musste ihm antworten.

Dilara

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