Photograph -And time’s forever frozen still


14.07.2016 – sechzehn Jahre alt

Es war Sommer und brütend heiß. Wirklich heiß. In Shorts und Top konnte man gerade noch so einem Hitzeschock entgehen, in langen Hosen oder auch nur Caprihosen ging niemand vor die Tür. Die Hitze hatte es geschafft, dass wieder Hitzefrei eingeführt wurde. Ab elf Uhr hatte es bereits über 40 Grad, die Lehrer konnten selbst nicht mehr klar denken. Also hatten wir nach der dritten aus, es hatte keinen Zweck. Außerdem waren es eh nur noch ein paar Wochen bis zu den Sommerferien, die Notenabgabe war schon längst. Ich fragte mich des Öfteren, warum wir überhaupt noch in die Schule kommen mussten. „Also, dann ein schönes Wochenende!“, rief unsere Französischlehrerin aus, die passenderweise Sommer hieß. „Und? Gehen wir an den See oder doch lieber ins Schwimmbad?“, fragte Flo während wir unser Zeug zusammenpackten. Es gab keinen Tag, an denen wir nicht schwimmen gingen. Allerdings waren wir da nicht die einzigen, denn sowohl Freibäder als auch Badeseen waren vollkommen überfüllt. Seufzend strich ich über meinen Sonnenbrand, der sich natürlich in meiner Armbeuge breitmachen musste. „See“, bestimmte ich letztendlich. Schweigend reihten wir uns in den Schülerstrom ein, alle wollten so schnell wie möglich aus dem überhitzten Gebäude. Von Klimaanlagen hatte unsere Schule offensichtlich noch nie etwas gehört, sonst säßen wir im Kühlen an unseren Plätzen. „Weißt du was? Wir sollten morgen Wasserbomben mitnehmen und eine riesige Wasserschlacht mitten auf dem Pausenhof beginnen. Was hältst du davon?“, schlug ich vor, als wir endlich an der nur minder kühleren Luft waren. „Gute Idee. Lass uns gleich ganz viele kaufen gehen. Und wir müssen allen Bescheid sagen. Fangen wir im Klassenchat an. Dann schreibt jeder von uns die anderen Leute von der Schule an, die sich in seinen Kontakten tummeln. Jeder soll mindestens eine Packung mitnehmen und die in der ersten Fünf Minuten Pause füllen. Für die Gefüllten bauen wir dann ein Planschbecken auf.“ Flo war sichtlich begeistert von meiner Idee, er steigerte sich rein. Ohne dass wir uns abgesprochen hätten nahmen wir zeitgleich unserer Handys raus und schrieben was das Zeug hält. Am Ende saßen wir auf den Fahrradständern vor dem Schulgelände. Meine Kontakte waren alle verständigt, Flo tippte noch. „Gut, fertig. Lass uns einkaufen gehen.“

Am nächsten Tag zog ich mir einen Bikini anstatt Unterwäsche an, packte noch einen Garnitur Wechselkleidung ein. Machte nicht viel Unterschied, nur das Handtuch wog viel. Es landete gemeinsam mit meinem XXL Planschbecken, das ich zuletzt vor fünf Jahren aufgebaut hatte, und zwei Wasserbombenpackungen in einer Stofftasche, die ich auf dem ganzen Weg zur Schule trotz ihres Gewichtes an meinem Handgelenk pendeln ließ. Ich freute mich. Aus Erfahrung wusste ich, dass sich die Lehrer nicht einmischen würden und sogar bei der Mediennutzung ein Auge zudrücken würde, falls jemand filmen wollte. Was durchaus praktisch war, da ich extra meine wasserfeste Kamera mitgenommen hatte. Gut, es war Jakobs. Aber das war mir relativ egal.

Als es zur Fünf Minuten Pause klingelte, rannen alle zu den Toiletten, die natürlich überfüllt waren. Jeder gab seine Packung nach vorne und nahm aufgefüllte Wasserbomben mit auf den Pausenhof, um das Planschbecken, das ich vorhin mit Flos Hilfe aufgepumt und gefüllt hatte, zu füllen. Mittlerweile schwammen schon gut Hundert in meinem großen, ein paar kleinere Becken waren an jeder Ecke. Und es wurden immer mehr. Am Ende, nach nur fünf Minuten, waren alle voll, und die Packungen noch nicht leer. Brav setzten sich alle wieder in den Unterricht, doch konzentrieren konnte sich keiner. Die Stunde zog sich in die Länge. Endlich entließ uns unser Mathelehrer in die große Pause. Noch bevor ich überhaupt an einem Planschbecken war, wurde ich von einer Wasserbombe getroffen. Jeder warf einfach blind um sich, und ich filmte das Ganze. Es sah unglaublich aus. Sowohl die jüngeren, als auch die älteren Schüler bombardierten sich gegenseitig, jeder hatte Spaß. Letzten Endes hing ich die Kamera um meinen Hals, ließ sie weiterfilmen und machte mit. Schließlich war es meine Idee gewesen.

Als es zum zweiten Mal klingelte war jeder klatschnass. In den Planschbecken befand sich nur noch Wasser. „Hey, Jo, ist die Kamera wasserfest?“, fragte Flo, der plötzlich hinter mir aufgetaucht war. „Ja, warum?“ Noch bevor ich mit dem Warum fertig war wurde ich hochgehoben und in ein Becken geworfen. Das Wasser schwappte über mir zusammen. Prustend kam ich wieder an die Oberfläche. „Du Arschloch!“, rief ich lachend, bevor ich auf dem Becken kletterte und Flo umarmte. Anschließend zog ich mir einfach Shirt und Shorts aus und ging im Bikini wieder ins Gebäude, um mich drinnen in ein Handtuch zu wickeln.

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