Photograph – And when it gets hard, you know it can get hard sometimes


19.09.2006 – 6 Jahre alt

„Fini, du musst was essen!“, befahl Mama streng. Doch ich konnte nichts essen, immerhin würde ich ein knapp zwei Stunden eingeschult werden! Jakob war schon längst weg, sein Unterricht fing in einer halben Stunde an. Aber das war ja auch normal, schließlich war er schon in der vierten Klasse. „Florian und Marianne kommen bestimmt auch bald, vielleicht bewegt er dich ja dazu, etwas zu essen“, murmelte meine Mutter eher an sich selbst gerichtet als an mich, während ich lustlos mit dem Löffel in meinen trockenen Cornflakes rumrührte. Da dies meine Nervosität nicht linderte, gab ich es irgendwann auf und zwirbelte eine hellbraune Haarsträhne zwischen den Fingern. Floris Haare waren schöner. Viel dunkler, außerdem waren sie lockig und nicht so glatt wie meine. Ich mochte meine Haare nicht. Die ziepten immer so beim Kämmen. Aber Floris bestimmt auch, schließlich waren die ganz dicht. Seufzend machte ich einen lockeren Knoten in die Strähne, den ich danach wieder löste. Wann kam Flori endlich? „Lass das!“, wies mich Mama zurecht und rettete meine Haarsträhne vor meinen Fingern. Glücklicherweise klingelte es, bevor ich mir einen neue suchen konnte. Blitzschnell sprang ich auf und war in nullkommanichts an der Tür. Mein bester Freund stand davor, in der einen Hand seine Schultüte, in der anderen sein Lieblingskuscheltier. Gute Idee. Schnell ließ ich Marianne und Flori ein und rannte flink in mein Zimmer, um meinen Teddy zu holen. Zum Glück war er nicht so groß wie der, der mir als Kopfkissen diente. Als ich wieder runter kam, goss Florian gerade Milch in meine Cornflakes. „Was machst du da?“, fragte ich skeptisch. „Deine Mama sagt, dass du nichts ist. Aber das ist gar nicht gut, deswegen mache ich dir Frühstück.“

Vor dem großen Schulgelände bleiben wir vier stehen. „Ich will da nicht hin“, beschwerte ich mich lautstark. Keine Sekunde später fühlte ich, wie sich Floris Hand um meine schloss. „Das musst du aber, damit du später mal Arzt werden kannst“, sagte er überzeugt. „Aber ich will doch gar nicht Arzt werden!“, wunderte ich mich. „Oh, stimmt, das war ja ich.“ Wir fingen beide an zu kichern, ehe wir von unseren Müttern in das Gebäude gescheucht wurden. „Okay, Anne und ich warten hier hinten, und ihr zwei setzt euch vor zu den anderen Kindern, ja?“, meinte Marianne und schob uns leicht in Richtung der Bühne, die vorne in der Aula aufgebaut war. Flori und ich sahen uns an, bevor wir Hand in Hand nach vorne gingen und uns ganz an der Seite niederließen. Wenig später kam auch schon ein großer Mann im Anzug auf die Bühne. Er hatte graue Haare, aber keinen Bierbauch wie manche andere grauhaarige Männer. Der Mann stellte sich in die Mitte und redete in ein Mikrofon. Er sagte etwas, das an die Eltern gerichtet war, während ich gedankenverloren Muster auf den Arm meines besten Freundes malte. Ich hörte nicht so recht zu, die Worte waren mir zu langweilig. Allerdings horchte ich auf, als es zur Klassenverteilung kam. „Josefine Schmidt, Florian Schneider…“ Glücklich sah ich Flori an. Also waren wir zusammen in einer Klasse! Er erwiderte mein Lächeln. „Eure Lehrerinnen führen euch jetzt zu euren Klassenzimmern und dann zeigen sie euch die Schule, okay? Währenddessen kläre ich noch einige Sachen mit euren Eltern“, sagte der Mann auf der Bühne, und Flori stand auf. Er zog mich an der Hand zu einer Frau mit langem schwarzem Haar. „Hallo, ich bin Frau Finking und ab heute eure Lehrerin. Kommt mit, ich zeige euch unser Klassenzimmer, ja?“, sagte sie, sobald alle da waren. Wir folgten ihr durch einen langen Gang, Floris Hand umklammerte meine noch immer. „Da wären wir!“, sagte Frau Finking, als wir vor einer blauen Tür angelangt waren, auf der überall Sterne waren. Sie schloss auf, und wir durften uns einen Platz aussuchen. Natürlich setzte ich mich neben Flori.

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