die Geschichte hinter dem Tagebuch


Teil 1

März 11, 1991

Brad ist weg und es ist alles meine Schuld. Es sind nun schon drei Tage.

Ich weiß, ich habe manchmal übertrieben. Ich habe Dinge gesagt, die ich nicht mehr zurücknehmen kann aber verdammt, er ist manchmal auch ein scheiß Arsch. Wir sollten eigentlich diesen große – Bruder kleine – Schwester Scheiß haben aber das wurde alt und langweilig, nachdem wir von der High school absolviert hatten. Er war mein großer Bruder, er hätte auf mich aufpassen sollen.
Mam ist mal wieder untröstlich. Sie sagt ständig, dass es nur einer von seinen Scherzen ist. „Er wird zurück kommen, Jennifer. Er spielt nur einen von seinen ‚Spielen‘.
Doch wieso siehst du dann so verzweifelt aus, wenn du sagst, dass es nur ein Spiel ist? Ich weiß, dass du es selber nicht glaubst. Du brauchst mich nicht versuchen anzulügen.

Ich weiß alles über Brad’s ‚Spiele‘. Er war berühmt dafür, als er ein Kind war. Man würde denken, er würde irgendwann endlich mal erwachsen werden und aus diesem ganzen Kleinkinder Mist heraus wachsen, ein Typ in seinen 20ern mit einem Job und einer Auto Versicherung… aber nicht Brad. Er fand immer noch die Zeit Eiswasser über mich zu schütten oder meine Deo mit Insekten Spray auszutauschen.
Ich weiß überhaupt nicht, warum ich mit ihm überhaupt erst zusammen gezogen bin.

Doch ich weiß es. Weil ich kein Geld habe für meine eigene Wohnung.

Am Anfang war Brad zuerst glücklich darüber. Er sagt, es würde spaßig werden, wieder zusammen zu leben. Er hat mir sogar angeboten, mich an meinem Geburtstag auszuführen.
Ich hätte es besser wissen sollen. Scheinheilig und gemein. Das war Brad.

Mam gab mir dieses Tagebuch, als ich ein kleines Kind war. Ich habe es wieder gefunden als ich ausgezogen bin und dachte es wäre lahm. Ich habe noch nicht einmal weiter drüber nachgedacht. Warum sollte ich mein Leben aufschreiben? Das ist Schwachsinn. Doch jetzt wo Brad verschwunden ist, fühle ich mich schrecklich und ich dachte wenn ich drüber schreibe, würde es helfen. Vielleicht irgendwie es zu verarbeiten. Ich kann es nicht mehr für mich behalten. Und alles ist besser als der Polizei zuzuhören, wie sie mit Mam in der Küche reden und ihr immer wieder versichern, dass sie immer noch nach ihm gucken würden. Aber mehr als 48 Stunden sind schon vorbei und das ist die wichtigste Zeit, wenn eine Person verschwunden ist. Sie versuchen nur sie zu beruhigen. Sie wissen, dass er nicht mehr wieder kommt. Sie sind genau solche Lügner, wie meine Mutter.

März 12, 1991

Brad ist immer noch verschwunden. Er ist immer noch nicht zuhause. Die Polizei sagt meiner Mam, dass er wahrscheinlich nur etwas Dampf ablassen möchte, er ist ein junger Kerl und lungert wahrscheinlich irgendwo betrunken rum. Das passiert oft, sagten sie. Ich musste fast lachen, als sie das sagten. Na klar, ihr habt ihn aufgegeben und wollt ihn jetzt noch schlecht da stehen lassen nur weil ihr ihn nicht finden könnt? Sagt ihr gerade ernsthaft einer trauernden Mutter, dass ihr Sohn wahrscheinlich nur irgendwo am saufen ist?
Doch sie wissen nicht, dass wir wirklich betrunken waren, als es passierte. Ich hätte es Ihnen direkt am Anfange erzählen sollten, schätze ich.

Ich dachte, ich hätte Geräusche gehört, letzte Nacht. So als ob jemand in der Küche Sachen verschiebt. Aber als ich aufgestanden bin, war niemand da. Die Schranktüren waren auf aber vielleicht habe ich auch einfach nur vergessen, sie zu zuschließen.
Ich habe nicht viel geschlafen in letzter zeit.

März 15, 1991

Mam sitzt nur in ihrem Schlafzimmer und weint. Sie hat keine Ahnung was passiert ist aber selbst sie weiß, dass er nie mehr wieder kommen wird. Würde sie mich hassen? Würde sie mich eintauschen, nur um ihn wieder zu bekommen? Sie kommt noch nicht mal raus und redet mit mir als gehe ich zurück in mein leeres Apartment. Es ist viel stiller ohne Brad. Seitdem fühle ich mich wie eine Fremde in der Wohnung. Ich darf hier eigentlich nicht sein. Ich bin nicht alleine in dieser leeren Wohnung.

Brad ist nun schon für eine ganze Woche verschwunden. Sie haben überall Fotos von seinem Gesicht aufgehangen, in der ganzen Stadt verteilt. Er wird wahrscheinlich bald in den Nachrichten sein. Die Medien lieben solche Senastionen. Auf einmal fiebert das ganze Land mit, wo Brad doch sein könnte. Heuchler.

Dilara ❤

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