#2 Kurzgeschichten Marathon – Teil 5


Kirschblüten

„OHHHH MEEIIIN GOOOTTTT!!!! Joe guck mal!!! Guck mal, was Papa mir mitgebracht hat!!“ Sie hüpfte vergnügt von einem Bein auf das Andere. ‚Eugh… Anna ist immer so quierlich und aufgedreht. Wie kann ein Mensch sich nur über jeden Scheiß freuen? Erst recht über sowas.‘ musterte Joe Anna’s kleines Geschenk, welches sie in ihrer Hand hielt. ‚Rot schimmerndes Geschenkpapier, niedliche blaue Schleife und viereckig. Stehen Mädchen wirklich auf sowas kitschiges?‘ Genervt wandte sich Joe wieder von Anna und ihrem anscheinend atemberaubendem Geschenk ab. Er verstand nicht, wie man sich über so eine unnütze Kleinigkeit jedesmal so freuen kann. Anna hingegen begutachtete ihr kleines Geschenk gespannt von allen Seiten. Sie hielt es behutsam fest, als hätte sie Angst, dass es kaputt geht oder plötzlich verschwindet, wenn sie es zu fest drückte. Ihre dunkel braunen Augen funkelten förmlich, als wäre es das aller erste mal, dass sie ein so „wunderschönes“ Geschenk in den Händen hielt.’Wenigstens ist sie jetzt still und springt nicht mehr durch die Gegend.‘ Genervt von der Fröhlichkeit seiner Stiefschwester, versuchte Joe leise und unauffällig sich aus dem Raum zu schleichen. Er wollte alleine sein. Dieser ganze Trubel um ein Geschenk war zu viel für ihn. Doch sein geheimer Fluchtversuch wurde unterbrochen. „Ey, Joe!!“ Anne schrie Richtung Tür, in der sich Joe gerade befand. Ihre Augen waren immer noch auf das Geschenk gerichtet. „Komm mal her!!“ ‚Verdammt, wie konnte sie bemerken, dass ich abhauen wollte? Hat sie irgendeinen siebten Sinn oder so?‘ Sein Fluchtversuch war fehlgeschlagen. Murrend gab sich Joe geschlagen und trottete wieder zurück zu Anna, die immer noch total begeistert und fasziniert ihr Geschenk anstarrte. Joe ließ ein Seufzen von sich. „Was ist?“ Er versuchte die Gleichgültigkeit und die Gereiztheit so gut es geht, hervor zu heben, damit Anna verstand, dass er weg wollte. Damit sie ihn endlich mal in Ruhe lassen würde. Seit neun Monaten schon wohnt Anna nun schon bei Joe. Anna’s Mutter und Joe’s Vater hatten sich vor drei Jahren kennen gelernt und hatten nun anscheinend die glorreiche Idee gehabt, zusammen zu ziehen. ‚Was bringt es, zu heiraten und eine neue Familie zu haben, wenn man eh nur die ganze Zeit im Ausland arbeitet und seine Familie die ganze Zeit alleine lässt?‘ Joe’s Vater war Bänker und daher so gut wie nie Zuhause. Mal war er in Luxemburg, mal in London. Doch nie Zuhause. ‚Deswegen hatte sich Mama auch einen anderen Mann gesucht weil du nie für sie da warst.‘ Als Wiedergutmachung, schickte sein Vater jeden Monat ein paar Souvenirs oder Geschenke nach Hause, um seinen Sohn und seine Frau, durch seine ständige Abwesenheit, zu vertrösten. Am Anfang war Joe traurig und wütend auf seinen Vater, da er sich nie um ihn gekümmert hat. Er war immer an irgendwelche Orten und hatte immer irgendwelche Meetings und ließ jedesmal seine Frau und seinen Sohn alleine zurück. ‚Dachte er wirklich, diese kleinen scheiß Geschenke könnten uns glücklich machen? Denkt er ernsthaft, wenn er mir eine Postkarte zum Geburtstag schickt, wäre es so, als wäre er dabei?‘ Ja, Joe war sehr wütend und verletzt. Doch er war nun 17 und hatte die Beziehung zu seinem Vater schon Jahre vorher aufgegeben. Er war abgestumpft. Dachte er zu mindestens.

Dilara ❤

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