#2 Kurzgeschichten Marathon – Teil 2


Vergissmeinnicht – Teil 2

Mei wippelte weiter auf ihrem Stuhl herum. Sie blickte wieder auf ihren Brief. „Wenigstens habe ich schon mal die erste Zeile geschrieben!“ ‚Lieber Meik,‘ Mei grinste stolz, als sie sich diese zwei Wörter nochmal durchlas. Sie setze erneut zum schreiben an. Jetzt lief es. Ihre Gedanken flossen auf das Blatt, wie Blut durch ihre Venen.
‚Du bist mein Held. Doch ist es gerecht, dich als Held zu bezeichnen? Ist echt gerecht, von dir zu verlangen, dass du mich rettest? Denn das tun Helden nun mal. Sie fliegen zu dem Opfer und befreien es von seiner Furcht. Sie sind selbstlos. Erinnerst du dich noch an den zweiten April? Wir saßen unter der Wolkenbrücke ganz still nebeneinander. Du hast mich wie aus dem Nichts geküsst. Einfach so. Und dann saßen wir wieder nebeneinander, still. Als wäre nichts gewesen. Weißt du, dieser kleine, winzige, unschuldige Kuss… Ich glaube er hat mich gerettet. Du weißt gar nicht, warum ich dir überhaupt schreibe, oder? Nun ja, ich weiß es leider auch nicht. Aber durch das Schreiben, kommuniziere ich. Du weiß wieso ich nicht rede. Du kennst mich. Doch siehst du mich überhaupt? Manchmal möchte ich einfach die Zeit zurückspulen. Solange, bis wir nur noch alleine sind. Bis es keinen einzigen mehr gibt, außer du und ich. Wir beide, alleine auf der Welt. Glaubst du wir wären glücklich? Tut mir leid, wenn ich hier nur Schwachsinn schreibe. Aber ich will (mehr als alles andere), dass du verstehst, warum ich weg bin. Dass du meine Gefühle weißt, dass du mich kennst. Und ich meine wirklich kennen! Ich möchte nicht gehen und etwas ungeklärt lassen. Und ich möchte auch nicht gehen und dann irgendwann verblassen. Ich möchte etwas zurücklassen. Etwas für dich. Und deswegen schreibe ich dir diesen Brief. Passt er überhaupt in deine Welt hinein? Mein Brief, der kaputte, schwarze Brief. In deine helle, leuchtende Welt? Verstehst du mich überhaupt? Doch du weißt, dass ich das am liebsten mag. Du weißt, dass ich immer diese unberechenbare Person sein wollte. Und nun kann ich mich selber gar nicht mehr einschätzen. Ich habe mich auf meinen Weg verloren, weiß nicht mehr wo ich bin. Wer ich bin. Und du kennst mich nicht. Ich bin ein Widerspruch in sich und muss meine Gleichung finden. Deswegen bin ich weg, ich verschwinde. Für immer. Meine Welt wird nicht untergehen, sie taucht nur ab. In das tiefe, bunte Meer. Und irgendwo dort, werde ich sein. In meiner Unterwasserwelt, wo mich niemand finden kann. Was wirst du machen? Wirst du wissen, wo ich bin? Wirst du mich suchen? Doch wie willst du eine Person finden, die nicht gefunden werden will? Die man niemals mehr finden wird? Ich werde weg sein. Doch das einzige, was nicht verschwinden soll, was immer bei dir bleiben soll, sind diese letzten Worte. Ich liebe dich.‘
Mei’s Lippen formten sich zu einem traurigen Lächeln. Sie starrte verträumt auf ihren Brief, bevor sie verschwand.

Dilara ❤

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