Mara’s Tränen – Kurzgeschichte Teil 2 (Ende)


Die Tränen, die über ihre Wange kullerten, waren Tränen des Hasses. Hass über ihn, über ihre Mutter und am meisten über sich selber. Sie hatte es wieder zugelassen, dass er über ihr stand. Sie hatte ihm wieder erlaubt, sie zu erniedrigen und ihr die Liebe zu stehlen. ‚Ich war Schuld. Wäre ich stärker gewesen, hätte ich nicht am Boden gelegen. Schon wieder.‘ Doch in Guidos Augen spiegelte sich jedes mal die gleiche Emotion ab. Am Anfang wich Mara seinem Blick immer aus, sie hielt schützend ihre Arme vor ihr Gesicht. Sie traute sich nicht ihn anzugucken. Doch irgendwann änderte sich das. Sie wollte, dass er weiß, dass sie es sieht. Sie wollte, dass er ihr in die Augen schaut, wenn er sie wieder am Kragen packte und sie bewusstlos schlug. Und da hat sie seine Augen erkannt. Sie waren braun. Und jedesmal wenn Mara und ihre Mutter ihn wieder anguckten, schrie er los. ‚WARUM GUCKT IHR MICH SO AN? ICH BIN KEIN MONSTER! ICH BIN KEIN MONSTER! HÖRT AUF DAMIT, GUCKT MICH NICHT SO AN!!!‘
Mara dachte, Guido wäre einfach nur ein Schläger. Einfach ein Asozialer, der zu viel trinkt. Doch als sie sein Gesichtsausdruck wahrnahm, wurde ihr bewusst, dass er noch viel weniger war. Er war nur Abschaum. In diesem Augenblick, war Mara der Schmerz egal. Ihre weinende Mutter war ihr egal. Ihre blauen Flecke. Mara war einfach nur angewidert von ihm. Man merkte, dass er sich quälte. ‚Er wollte uns nicht schlagen. Er wollte nicht die Person sein, die er ist. Er gab uns die Schuld. Jedesmal wenn wir ihn ansahen, sah er nicht die ängstliche Frau oder die panische Tochter. Er sah nur sich selber. Er sah in uns die Monster, die er besiegen musste. Und so packte er uns verzweifelt und schreiend und schlug zu, während er immer wieder schrie „Ich bin kein Monster!“ ‚
Mara wich ab und ihre Gedanken wurden weg gespült.’Oh man, ich denke wirklich zu viel an die Vergangenheit.‘ Mara schlürfte den letzten Tropfen aus ihrer Capri Sonne. Heute war ein normaler Tag, nichts los. Sie stoß die Steine, die vor ihr lagen, wie Fußbälle weg. ‚Wie es Mama wohl geht?‘
Sie erinnerte sich noch gut, an den schmerzvollen Ausdruck in ihrem Gesicht, als Mara mit einer kleinen Tasche einfach durch den Flur stürmte, die Tür aufriss und auf die Straße rannte. Sie hörte wie Guido hinter ihr her ran, sie hörte wie ihre Mutter schrie, vom Schmerz und Trauer verzerrt. Ihre Stimme war gebrochen. Mara kullerten die Tränen an den Wangen herunter, sie biss sich auf die Lippen. Sie liebte ihre Mutter. Doch sie rannte weiter. Sie rannte solange, bis sie ihre Mutter nicht mehr hörte. Bis Guido aufgab ihr zu folgen. Als sie endlich stehen blieb, spürte sie erst wie nass geschwitzt sie war und was für Seitenstiche sie hatte.
Doch Mara blickte nie mehr zurück. Das war Vergangenheit. Sie war nun ein Kind der Straße.

Dilara ❤

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8 Gedanken zu “Mara’s Tränen – Kurzgeschichte Teil 2 (Ende)

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