Mara’s Tränen – Kurzgeschichte Teil 1


Sie trottete die Straße entlang. Gelangweilt, irgendwie war sie auch müde. Aber nicht dieses IchWillInsBett – müde, sondern dieses IchKannEinfachNichtMehr müde. Wie lange wird es wohl noch dauern, bis all das ein Ende hat? Wird sie frei sein? Wird es überhaupt ein Ende geben? Mara ließ ihren Gedanken freien Lauf. ‚Das Leben ist das, was du draus machst.‘ Die Stimme ihres Vaters drung in ihren Kopf. ‚Und wenn du beschließt von zu Hause wegzurennen, dann macht das Leben aus dir ein Straßenkind.‘ Obdachtlos. Mara liebte das Wort Straßenkind irgendwie. ‚Wir sind die Kinder der Straße. So klang es doch schon viel besser, oder?‘ Es hatte einfach mehr Bedeutung und hinterließ viel mehr Eindruck, als der Begriff an sich. Sie war ein Kind der Straße, freiwillig. Als ihr Stiefvater wieder zu schlug, war es ihr zu viel. Sie hatte lange genug einstecken müssen. Sie war taff, konnte viel vertragen und aushalten. Sie war nicht so schwach, wie ihre elende Mutter. Schwäche wiederte Mara an. ‚Wenn sie nicht für sich stark sein konnte, warum dann nicht für mich? Für Papa?‘ Ihre Mutter beschmutzte das Grab ihres Vaters, sein Andenken. Immer wenn Mara den neuen Freund ihrer Mutter anguckte, musste sie herablassend Grinsen. ‚Was ein Lauch. Was ein Feigling. Sitzt in seinem Sessel und frisst sein Essen, wie ein fettes Schwein.‘ Ihr Vater hätte niemals zugeschlagen. Höchstens ihn, wenn er gesehen hätte, wie er Mama durch die ständigen Wangenknochen/- und Nasenbrüche enstellt hat. Sie war mal hübsch, schöne Augen, die funkelten wie das Meer. Mara liebte sie, diese Augen von früher. Sie hatte sie auch. Sie hatte die Augen ihrer Mutter. Doch jetzt verabscheut sie sie, jedes mal wenn sie in den Spiegel guckt und in ihre Augen blickt, sieht sie ihre Mutter. Ihre schwache Mutter, mit einer blutenden Lippe und einem blauen Augen. Das glitzernde Meer war schon lange aus ihren Augen verschwunden. Dafür hatte Guido gesorgt.
Mara und ihre Mutter würden nie mehr an das Meer gehen. Guido hasste das Meer und er hasste auch ihre Augen. Die Augen die ihn jedesmal fragend und verzweifelt anguckten. Diese Augen, die pure Panik und Angst wiederspiegelten. Er sah diese Augen jedesmal, wenn er Mara und ihre Mutter so feste geschlagen hatte, dass sie auf dem Boden lagen. Sie guckten ihn von unten aus an. Er stand über Ihnen. Doch auch wenn die Beiden die gleichen Augen hatten, der Ausdruck war anders. Er war so verschieden wie Tag und Nacht, wie Licht und Dunkelheit. Wie Liebe und Gleichgültigkeit. Während die Augen ihrer Mutter mit Tränen gefüllt waren, vor Angst zurück zuckten und einfach nur ‚warum‘ schrien, waren Maras Augen eiskalt.

Dilara ❤

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