Märcholie der Unschuldigen – Teil 5


Amelie wollte Abwechslung und sie wollte ausbrechen. Den in Armanos war jeder ein Gefangener. Die Kandidaten waren wortwörtlich gefangen genommen, sie wurden in Käfige gesperrt und warteten darauf, dass ein Adliger sie kaufte, um ihn dann zu seinem persönlichen Gefangenen zu machen. Doch die Adligen, die meinen sie hätten all die Freiheit der Welt, waren Gefangene ihrer Selbst. Der Gesellschaft. Sie konnten nicht tun und lassen was sie wollten, sie mussten gehorchen und sich anpassen. Niemand brauchte wenn, der aus der Reihe tanzt. So waren die Adligen in einem goldenen Käfig, erschaffen von der Regierung, gefangen genommen. Auf ihre ganz eigene Art und Weise. Niemand konnte sie befreien. Außer sie selbst. Und Amelie wollte es endlich wagen.
Sie sah die ganzen buten Farben. Rot, orange, blau. Alle möglichen Lichter schienen am Himmel. Sie hörte die Klänge der wunderschönen Musik und das gelassene Gelächter. Während es bei ihr ruhig war. Todenstille. Es war keine Farbe, keine Lichter und keine Musik wahrzunehmen. Nur die Kälte, die ihr Haus, mit all den Menschen innen drin, ausstrahlte. Die Kälte verwandelte jeden, der es betraht, in ein ebenso kaltes Wesen. In eine Marionette. Amelie musste kichern, als sie sich ihre Eltern vorstellte, wie sie von dünnen, roten Fäden gelenkt wurden. Doch immer wenn Amelie diese Leute beobachtete, die so ausgelassen feierten und voller Freude schien, wurde sie manchmal gehässig. Sie war wütend auf sie. Sie versuchte sich immer wieder, wenn dieses eine komische Gefühl hoch kam, einzureden, dass sie besser war als sie und das alle anderen nur Abfall waren. Doch Amelie wusste ganz genau, dass sie ihre Eifersucht und ihre Trauer nicht verbergen konnte.
So saß sie da, an ihrem 10ten Geburtstag und beobachtete den Bazar, obwohl unten zu ihren Ehren, selbst eine Party gefeiert wurde. Sie beobachtete eine kleine Menschmenge. Zwei Erwachsene und drei Kinder. ‚Eine Familie sicherlich.‘ Doch was ist überhaupt eine Familie? Amelie war Einzelkind und anstatt eine Kindheit mit anderen zu haben, hatte sie gelernt. Jeden Tag. Klavier, Schach, Sprachen, Reiten, Tanz und Manieren. Sie musste von morgens bis abends lernen, damit sie perfekt wurde. Und das war sie auch. Amelie war der Traum ihrer Eltern, auch wenn sie selber nicht wirklich viel zur Person, die Amelie heute ist, beigetragen haben. Das haben die Kandidaten gemacht. Sie haben Amelie zu dem Mädchen erzogen, dass sie heute ist. ‚Und dennoch meinen meine Eltern sich mit den Lohrbeeren zu schmücken?‘ Ihre Eltern, Maria, eine franzözische Dame und Richard, ein englischer Geschäftsmann, haben sich nie wirklich um sie gekümmert. Ihre Mutter sah sie nur, wenn Gäste zu Besuch kamen und sie eine heile, glückliche Familie waren. Sonst nicht. Bis zu ihrem 4ten Lebensjahr, dachte Amelie, dass Magda, eine Kandidatin, die die Beifongs gekauft hatten um auf Amelie aufzupassen, ihre Mutter ist. Als die kleine Amelie mal vor den Gästen zu Magda ‚Mama‘ gesagt hat, ohrfeigte ihre Mutter entsetzt ihre kleine Tochter. Amelie hatte vorher noch nie zu vor solch bosartigen Augen gesehen, in ihnen spiegelte sich nicht die Trauer wieder, dass die eigene Tochter die Mutter verwechselt. Nein, in den Augen von Amelies Mutter erkannte man nur Panik, Hass und Zorn. Zorn der so groß war, dass die Augen anfingen zu funkeln. Es war ein bösartiges Funkeln. Die kleine Amelie stolperte fassungslos und verwirrt ein paar Schritte zurück, Tränen quollen langsam aus ihren Augen. Sie hielt sich mit einer Hand, die Stelle im Gesicht fest, die ihre Mutter gerade geohrfeigt hatte. ‚Wieso?‘ Sie verstand es nicht. Noch nicht. Doch als die erst Träne Amelies Wangen runterkullerte und Magda zu Amelie eilte, sie schnell auf den Arm nahm, um sie aus dem Zimmer zu tragen und sie vor den bestrafenden Augen der Mutter und den spöttischen Augen der Gäste zu bewahren, wurde es Amelie bewusst. Sie wusste, weshalb ihre Mutter zugeschlagen hatte.
Amelie hatte sie vor all den Gästen bloßgestellt. Maria versuchte sich nervös und blamiert vor den Gästen, aus der Affäre zu ziehen. Vergeblich. Das Ansehen ihrer Mutter war an dem Tag gefallen. Durch Amelie.
Nach dem Tag, hat Amelie Magda nie wieder gesehen.

Advertisements

Meinungsfeld

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s