Glücksgefühle – Kapitel Drei


Im letzten Moment hielt mich die Person – oder besser gesagt der Mann – vor mir mit beiden Händen fest. „Verzeihung“, sagte er im selben Moment, in dem ich „’Tschuldigung‘ nuschelte. Perplex starrte ich in blaue Augen, die mich aufmerksam musterten. Dann entsann ich mich meiner Würde, löste mich aus meinem Griff und angelte halbwegs elegant mein Smartphone vom Boden. Glücklicherweise hatte es weder Kratzer noch Risse abbekommen. Lediglich meine Hülle war schmutzig geworden, doch die konnte man mit einem feuchten Tuch wieder reinigen. Der Mann, der in mich gelaufen war, atmete kurz durch, ehe er mir die Hand entgegenstreckte. „Nathaniel Vermont“, stellte er sich vor. Seine Stimme war fantastisch, habe ich das schon erwähnt? Nein? Dann tue ich das jetzt: Seine Stimme war fantastisch. „Jamie Junk“, entgegnete ich, ergriff seine Hand. „Hier steckst du. Sag doch was, wenn du wegrennst“, schaltete sich nun auch Max ein, der mein Gegenüber kritisch beäugte. Dieser stellte sich erneut vor, und Max‘ Augen wurden groß. „Vermont? Wie Grayson Vermont?“, hakte er aufgeregt nach. Verwirrt sah ich ihn an, während Mr. Vermont vor uns verlegen von einem Bein auf das andere trat. Dennoch nickte er, doch bevor Max ihn noch weiter mit Fragen löchern konnte, klingelte das Handy in seiner Hand. „Da muss ich ran. Auf Wiedersehen. Miss Junk“, sagte er, ehe er Max zunickte. „Mr. Cook.“ Mit diesen Worten verschwand er. „Wer zur Hölle ist Grayson Vermont?“, zischte ich Max zu, nachdem Mr. Vermont außer Hörweite war. „Platz 27 auf Forbes‘ Liste der reichsten Männer Amerikas. Sein Sohn hat definitiv bessere Gene, der ist ja noch heißer als Nick Bateman!“ Glücklicherweise war mir ‚Ugly Love‘ ein Begriff, sodass ich wenigstens wusste, wie Nick Bateman aussah. Auch wenn Max einen Hang zum Übertreiben hatte, Mr. Vermont sah tatsächlich gut aus.

Die Lichtreklamen am Times Square warben für verschiedene Produkte, während ich nachdenklich einen Schluck meiner Cola nahm. Max und ich hatten uns in einem Fast-Food-Rastaurant meiner Wahl niedergelassen und gönnten uns zur Feier des Tages einen Burger. Immer wieder landeten meine Gedanken bei dem Sohn von Platz 27. Wie es wohl war, mit Geld in dem man praktisch baden konnte? Nicht, dass ich Mr. Vermont für Dagobert Duck gehalten hatte, ich wollte es nur wissen. Geld im Überfluss hatte ich noch nie erfahren, wir hatten immer genug zum Leben, waren aber nicht reich. Ehrlich gesagt war ich dankbar dafür, da ich einigen ‚Richkids‘, wie ich sie nannte, über den Weg gelaufen war. Freundlich und hilfsbereit waren sie nicht. Eher arrogant und höhnisch, und zwar auf einer Art und Weise, wie man es nur durch Geld werden konnte. Diese Leute waren sicherlich noch nie mit einem der gelben Taxen auf der gegenüberliegenden Straßenseite gefahren. Oder hatte sich in einem Fast-Food-Restaurant Fritten und Burger geleistet, wie Max und ich gerade. Eine Weile überlegte ich, ob Mr. Vermont diese Dinge schon einmal getan hatte, entschied dann, dass reiche Leute das nicht machten und widmete mich wieder meinem Essen, das mittlerweile nur noch lauwarm war.

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Ein Gedanke zu “Glücksgefühle – Kapitel Drei

  1. Eleanor schreibt:

    Keine Ahnung, ob ich die Vortsetzung einfach nicht gefunden habe oder es sie noch nicht gibt. Aber falls letzteres zu trifft, würde ich euch auf jeden Fall bitten , noch weiter zu schreiben 😊 Liest sich bis jz echt toll (👈🏼kann man das du sagen?)!

    Gefällt mir

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