Glücksgefühle – Kapitel eins


„Merde!“
Max‘ Geschrei erreichte mich im Wohnzimmer, wo ich gerade dabei war eine wunderschöne Kristallvase auf dem Kaminsims zu platzieren. Aufgrund des Schmerzes, der in dem Schrei meines besten Freundes mitklang entschloss ich mich jedoch, meine Tätigkeit zu unterbrechen und nach ihm zu sehen. Neugierig lief ich in die Küche, wo er seinen Daumen unter den Wasserhahn hielt. Ein Hammer lag neben ihm auf der Theke. „Du hast dir auf den Finger geschlagen?“, kombinierte ich weise, während ich auf die Theke hüpfte. „Ja. Diese blöden Hammer sind aber auch unverschämt!“, gab er mit seinem französischen Akzent zurück und musterte seinen roten Daumen genauestens. „Du musst einfach nur aufpassen.“ Das brachte ihn zum Lächeln. Maxim Cook sah fabelhaft aus wenn er lächelte. Generell besaß er die Eleganz und Attraktivität eines Franzosens. Und wer sich darunter nun einen blassen, dunkelhaarigen Mann mit Schnauzer und Franzosenmütze vorstellt, der liegt falsch. Wenn ihr jemals auf einen attraktiven Franzosen gestoßen seid, dann wisst ihr, wovon ich spreche. Bedauernswerterweise fehlten mir genau diese Eigenschaften, so dass ich häufig das Gefühl hatte, ein tollpatschiges Kleinkind zu sein. Jedoch hatte auch das bestimmt seine Vorteile, ich musste nur noch welche finden.
„Wenn du deinen Daumen so ungeschützt hältst, provozierst du das Provokante in mir, dich zu provozieren. Das weißt du doch, oder?“, seufzte ich theatralisch, da er seine Hand tatsächlich in einem günstigen Winkel hielt. Schnell änderte er dies. „Wann triffst du dich nochmal mit deinem Ansteller?“, fragte er gelassen. Verwirrt sah ich ihn an. „Na, dein Ansteller“, wiederholte Max ungeduldig. „Ansteller? Das heißt Arbeitgeber.“ Gegen meinen Willen musste ich lachen, fing mich jedoch relativ schnell. „Ich habe mich gestern schon mit ihm getroffen, du Genie.“ „Oh.“ Stille. Es war nicht diese unangenehme, bedrückende Stille, sondern eine vertraute. Nach zehn Jahren Freundschaft lernte man diese Stille nur allzu gut kennen. Eine Weile standen wir beide einfach nur stumm da, genossen die Situation. Schließlich löste ich mich von der Theke und nahm meine eigentliche Tätigkeit wieder auf. Ich wollte das Wohnzimmer fertig einrichten, damit unserer für später geplanten Sight-seeing-Tour nichts im Wege stand. Tatsächlich beendete ich meine Arbeit. Zufrieden betrachtete ich den Raum. Graue Möbel standen auf weißem Boden, während an den weißen Wänden bunte Bilder hingen. Bilder von mir und Max in L.A., Bilder von uns am Strand, Familienfotos, Selfies mit Jeanne, Selfies mit Emily und Matt. Auf dem ebenfalls grauen Kaminsims reihten sich bunte Kristallvasen aneinander. Alle waren mit Wasser gefüllt, damit die Rosen, die ich von meiner Mutter zum Abschied geschenkt bekommen hatte, auch schön lange halten. Mom wusste genau, wie sehr ich rote Rosen liebte, und sie hatte mir viele von ihnen geschenkt. Bei einer hatte ich den Stiel abgeschnitten, sie verschönerte nun meinen zugegebenermaßen nicht sonderlich schönen Zopf, verlieh ihm wenigstens etwas Eleganz. Ich war noch die der Typ Frau gewesen, der auf teure Kostüme und komplizierte Hochsteckfrisuren bestand. Ungefähr die Hälfte des Tages lief ich in Jogginghose und einem Tanktop aus dem Schrank meines Bruders herum, ansonsten trug ich Jeans und Top. Glücklicherweise wusste Matt nicht, dass ich zwei Pullover sowie ein Tanktop aus seinem Zimmer entwendet hatte. Dafür hatte ich ihm – freundlich wie ich nun mal war – eine Weste und eine Wimperntusche dagelassen. Dass letztere leer war, brauchte er ja nicht zu wissen.

Ich hafte nicht für Fehler jeglicher Art, ne?

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