Wir waren die Wölfe


Ich gehöre zu dem Stamm der Mincer, ein Stamm, der seit Jahrzehnten in den Wäldern von Uranus lebt. Wir sind ein starkes Volk und haben uns der Natur und ihren Bewohnern angeschlossen. Wir hatten keinen Feind. Außer der Zeit. Niemand war sicher vor ihr. Wir wussten, dass alles irgendwann ein Ende hatte. Ohne ein Ende gäbe es kein Anfang und ohne Tod kein Leben. So bereiteten wir uns alle auf unser Ende vor. Doch auf das, was geschehen ist, konnte uns keiner vorbereiten. Von Generation von Generation ist uns eine Gabe mitgegeben worden. Die Gabe, die Natur und ihre Tiere zu verstehen. Wir waren der einzige Stamm, der über diese Gabe verfügte. Sie wurde uns von den Göttern gegeben, um Frieden und Ordnung zwischen dem Tierreich und den Menschen herzustellen. Und so lebten wir mit den Wölfen als Verbündete. Die Wölfe waren uns auf eine Art und Weise verbunden, wie kein anderes Wesen. Sie waren die mystischen Kreaturen, die den Mond anheulten und Nachrichten in die Sternennacht schickten. Sie waren es, die uns lehrten zuzuhören und unser Verständiniss auszudehnen. Als Dank an die Götter für unsere Gabe, mussten wir ihnen etwas geben. Etwas, das unbezahlbar und voller Wert war. Etwas, ohne das man nicht leben konnte. Und so gaben wir ihnen unsere Zeit. Wir waren unsterblich. Wir kannten keine Krankheiten oder den Tod. Wir kannten nur die Ewigkeit. Und die gaben wir in die Hände der Götter. Wir wussten nicht, welche Trauer und welche Schmerzen, diese Opfergabe bei uns hinterlassen würde. Von Zeit zu Zeit nahm sich ein Gott ein Leben. Eines von uns. Sie nahmen es sich ohne zu überlegen. Es spielte keine Rolle, wer du warst oder wie alt du warst, du hattest deine Zeit verkauft um eine Gabe des Friedens zu erreichen. Und so begannen uns die Wölfe zu lehren, das alles einen Anfang und ein Ende hat. Ying und Yang. Ohne das eine, konnte das andere nicht existieren. Unser Leben exisiterte nur weil wir den Tod nun kannten. Die Wölfe waren von nun an die einzigen, die die Ewgkeit kannten. Sie waren uralte Urahnen, die unsere Vorfahren kannten und nun die nächsten Generationen unterrichteten. Doch selbst die Wölfe, konnten den Schmerz, den der Verluust einer geliebeten Person hinterlassen hat, nicht nehmen. Manch Schmerz war zu groß, um dass man die Gabe weiterhin schätze. Manche fingen an diese Gabe, die Gabe, die uns das Verständins der Natur und der Lebenwesen gab, zu verabscheuen. Die Gabe, war ein Eintausch gegen die Zeit. Sie war ein Eintausch, gegen das Leben. Die Wölfe wurden unruhig. Sie spürten unsere Unsicherheit, unsere Verzweiflung und unsere Wut. Sie hatten ein so faszinierendes Gespür, für die Seele der Menschen, dass sie unseren Schmerz fühlen konnten. Jahrelang hatten wir mit den Wölfen zusammen gelebt, wir haben den Frieden über das Land gebracht, dass von Jagd und Ausrottung geprägt worden war. Wir haben unsere Leben aufgegeben , um das Verständnis der Natur zur erlangen. Doch auch die Wölfe hatten dieses Verständnis. Die Urahnen, welche schon so lange lebten, erkannten die Menschen nicht mehr wieder. Sie waren keine starken Seelen mehr, die mit ihnen hinauf in die Dunkelheit, bedeckt mit hellen Sternen, geguckt haben. Fürher konnten die Urahenne in die Augen der Menschen gucken und versanken in ihrere Seele. Doch nun waren die Augen so glasig, dass sich die Wölfe in ihnen spiegeln konnten. Das Meer, das Licht und die Kraft, das man in den Augen der Mincer fand, war nun getrübt von der Trauer eines Verlustes und gebranntmarkt von der Zeit. Ein Verlust eines Menschen war für uns der Tod. Denn wir hatten keine Zeit mehr. Wir hatten keine Zeit, um unsere Wunden zu heilen, um über den Verlust hinwegzukommen. Die Zeit konnte keine Wunden mehr heilen, da wir keine Zeit mehr hatten. Die Wunden blieben immer offen. Und das Gefühl hielt bis zum Ende an. Und so machten sich die Uhrahenne bereit. Bereit das größte Opfe zu geben, dass Sie jemals bereit waren zu geben. Sie guckten uns ein letztes Mal an. Bis sie auf die Nacht der Nächte warteten und wieder den Mond anheulten. Ihr Heulen unterschied sich von den üblichen. Sie heulten nicht den Sternenhimmel an. Sie riefen die Götter. Die Götter, die uns unsere Zeit nahmen und uns die Gabe, des Friedens gaben. Sie riefen die Götter, um einen Tausch vorzuschlagen. Den genauso wie wir, waren die Wölfe zu starken Gefühlen fähig, die ihnen selber starke Schmeren zufügen konnten. Und uns so zu sehen, eine Hülle ohne Stärke und nur voll mit Trauer, brach ihren Glauben. Sie baten die Götter uns wieder die Zeit wieder zugeben. Sie flehten sie an. Sie, die mystischen Kreaturen der Erde, knieten nieder vor den Göttern des Olypms. Doch man konnte uns die Zeit nicht mehr wieder geben. Der Tod war unaufhaltsam. Er war Bestandteil des Gleichgewichts geworden. Doch die Wölfe heulten immer lauter und lauter, sodass es jeder Gott hören konnte. Nach 3 Tage und 3 Nächten verstummte das Heulen. Man gab uns unsere Zeit wieder. Nicht die ursprüngliche Zeit. Aber die Zeit, die die Wunden heilen und Schmerz vergessen ließ. Doch auch die Wölfe mussten einen Preis daüf zahlen. Sie wurden von der Ewigkeit verbannt und wir verloren jedes Verständnis, dass uns half uns gegenseitig zu verstehen. Das Verständnis der Menschen mit der Natur, die Verbindung zwischen uns und den Wölfen, war nun nichts mehr, als eine alte Saga. Die Liebe die die Wölfe für uns spürten, für sie waren sie bereit ihre eigene Zeit zu opfern und das Bündniss zwischen Mensch und Natur zu brechen, im klaren, was dann wieder passieren würde. Eine so mächtige Liebe, übersteht jede Zeit.
Auch ich verlor diese Gabe. Doch ich werde die Wöfe niemals vergessen.

Dilara ❤

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