Treatment – Suizid (Szene 5)


Szene 5

Ende. Sie hat es sich überlegt. Nagut, überlegt kann man nicht sagen. Aber sie weiß, dass sie es heute tun wird. Sophie wird sterben. Selbstmord. Sie hat es einfach gefühlt, dass heute der Tag ist. Sie darf nicht denken. Sie darf nur fühlen. Denn wenn sie denkt, denkt sie an ihren Papa, der jetzt nicht nur seine Frau, sondern auch seine Tochter beerdigen darf. Wenn sie denkt, dann wird sie daran denken das ihr Papa alleine sein wird. Wenn sie denkt, dann wird sie weiterleben. Und das will sie nicht. Die Welt ist grauenhaft und nicht geeignet für ein Mädchen wie Sophie. Der Tod schon. Sie trägt ihn schon seid 2 Jahren mit sich rum. Es ist nicht so, dass sie nicht mehr will, dass sie faul ist. Sie ist einfach müde. Niemand weiß wie es ist, wenn alles ein Kampf ist. Wenn man zum aufstehen kämpfen muss, wenn man bei dem Blick in den Spiegel kämpfen muss. Es ist ein Kampf. Und er ist anstrengend. Er frisst dich von innen heraus auf und lässt nur eine leere Hülle übrig. Man ist nervlich am Ende. Man ist einfach nur müde. Und dieses mal, hat der Kampf ein Ende. Denn ES hat gewonnen. Engültig. Lange hatte sie es sich überlegt. Pulsadern aufschlitzen. Zu riskant. Es besteht immer noch die Chance, dass ihr Vater sie rechtzeitig finden würde. Sich erhängen erschien ihr ein bisschen zu altmodisch. Es sollte etwas schönes haben, etwas poetisches. So wollte sie ihr Ende haben. Und da fand sie ihre Antwort in schwarz, tragbar und im Nachtisch ihres Vaters liegend. Einen Revolver. Sie wusste wie man damit umging. Ihr Vater hatte es ihr nach dem Tod ihrer Mutter gezeigt, zum Selbstschutz. ‘Irgendwie ist es ja Selbstschutz, auf eine komische, kaputte Art und Weise.’ Sie wollte in den Wald. Dort sollte es ein Ende haben. Der Wald hatte für Sophie etwas fasznierendes. Er wa unbefleckt. Rein. Die Natur herrschte da. Manchmal ging sie spazieren und hielt ab und zu einfach den Atmen an und schloss die Augen. Sie konzentrierte sich, um zu hören. Zu zuhören. Das Rascheln der Blätter, der Dickicht der knissterte, das Bächlein an dem man bei warmen Wetter die Füße baumeln lassen konnte. Sie nahm alles auf. Dann holte sie tief Luft. Es roch so schön. So viele Gerüche. Moos. Kastanien. Erde. Ja, hier sollte es ein Ende nehmen. Hier wollte sie sterben und dann ein Teil vom Wald werden. Sie tapste die Treppe herunter, den Revolver unter dem Pullover. Gerade als sie die Haustür schließen wollte hielt sie inne. Sie konnte nicht so einfach gehen. Das würde ihr Papaíto ihr niemals verzeihen. Sie krizelte eine kurze Botschaft auf den Zettel. Sie wollte nicht viel schreiben, sie wollte nicht schreiben warum sie zu solchen Mitteln griff und was sie dazu getrieben hat. Denn dann würde sie weinen. Sie würde weinen und nie wieder aufhören. Doch im Moment fühlte sie sich irgendwie… glücklich. Es war natürlich nur oberflächlich. Wer ist denn schon glücklich, wenn er sich gleich umbringt? Innen drin wuchs das Monster nun schon seid mehr als 2 Jahren heran. Und es war enorm groß. Zu groß für Sophie. Die Schmerzen waren zu groß. Doch der Revolver, der nicht. Der war genau richtig, mit dem konnte sie umgehen. Sie ging zur Haustür, ihre letzten Schritte in diesem Haus. Sie betete einmal kurz. Ihr letztes Gebet in ihrem Leben. Dann verließ Sie das kalte Etwas von Wohnung und ging ihren Weg. Sie fühlte nichts. Sie war taub. Sie wurde gelenkt. Wie ein Marionette. Ein Fuß vor den anderen. Bewusst, dass das ihr Weg zu ihrer eigenen Hinrichtung sein würde. Es ist wie einem Traum. Alles huscht an dir vorbei, alles ist verschwommen. Du nimmst nichts wahr. Kein Geräusch, kein Gesicht. Augen gerade aus. Sie spürte selbst nicht mehr das Moos unter ihren Füßen, dass sie früher so geliebt hatte. Hinknien. Waffe laden. Mund auf. Waffe rein. ‘Hilfe’ KLICK. Das letzte Geräusch, dass Sophie gehört hat in ihrem Leben. Ihr lebloser Körper fiel stumpf auf das Moos. Es war so weich. Und es duftete schön. Doch Sophie wird davon nichts mehr haben. ‘Warum…?’

So… das war die letzte Szene aus meinem Treatment. Ich hoffe es hat euch gefallen, eher gesagt es hat euch berührt. Den Suizid durch Mobbing oder andere Faktoren ist immernoch ein aktuelles Thema!

Hier ein paar Fakten über Suizid:

» Männer begehen häufiger Selbstmord als Frauen
» Es ist falsch zu glauben, dass Menschen, die von Selbstmord sprechen,
es nie tun!
» In Deutschland nehmen sich jedes Jahr etwas mehr als 10.000 Menschen
das Leben.
» Pro Jahr unternehmen 100.000 bis 150.000 Deutsche einen
Selbstmordversuch.
» Selbstmord ist die zweithäufigste Todesursache bei jungen Menschen
zwischen 15 und 29 Jahren (WHO 2014).
» Etwa alle 53 Minuten nimmt sich in Deutschland ein Mensch das Leben,
alle 5 Minuten, schätzen Fachleute, versucht es jemand.
» In Deutschland sterben mehr als doppelt so viele Menschen durch Selbstmord
wie durch einen Verkehrsunfall.
» Es gibt weiche Suizidmethoden wie das Vergiften mit Tabletten und harte
Suizidmethoden wie Erschießen oder Erhängen.
» Jungen und Männer greifen häufiger auf harte Methoden zurück, Mädchen und
Frauen wählen statistisch gesehen öfter weiche Methoden.
» Obwohl knapp zwei Drittel aller Selbstmörder männlich sind, ist die Rate der
Suizidversuche bei Mädchen und Frauen viel höher.
» Von einem Suizid sind etwa sechs Menschen (Angehörige, Freunde, Bekannte)
direkt betroffen, die oftmals kaum wissen, wie sie weiterleben können.
» Laut Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation nehmen sich jährlich
etwa 1 Million Menschen weltweit das Leben. Dies entspricht fast 2.800
Selbstmorden pro Tag.
» Schätzungen zufolge liegt die Zahl der Suizidversuche bei Jugendlichen um ein
Zehnfaches höher als der eigentliche Suizid.
» In acht von zehn Fällen kündigt der Betroffene seine Suizidabsichten vorher an.
» 80 % aller Bundesbürger haben schon einmal mit dem Gedanken gespielt,
sich umzubringen (BDP)
» Jeder dritte Selbstmord wird von Menschen über 65 Jahre verübt.

 

Dilara ❤

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4 Gedanken zu “Treatment – Suizid (Szene 5)

  1. tamysbuecherwelt schreibt:

    Oh man. Da muss ich erstmal schlucken. Ich will lieber gar nicht zu sehr darauf eingehen, aber du schreibst wunderschön. Ich hab wirklich Tränen in den Augen.

    Aber du hast recht, es ist ein sehr ernstes Thema und man muss Mobbingopfern helfen! Ich glaube aber, das müsste schon in der Gesellschaft beginnen. Ich bin Erzieherin und schon bei uns wird mit Mobbing angefangen, oft auch durch die Eltern. Sie wollen aus irgendenem Grund nicht, dass ihr Kind mit einem anderen spielt und schon wird ein Kind ausgeschlossen. Da Kinder noch unbedarft sind, wollen sie natürlich einen Grund und dann geht es los mit „Du stinkst“, „Du machst noch Mittagsschlaf“ usw. Natürlich sind das für uns noch banale Sachen, aber für die Kinder ist das unendlich schlimm.
    In der Richtung muss wirklich langsam mal etwas passieren.

    Gefällt 1 Person

    • Didi schreibt:

      Dankeschön für das Kompliment! Das bedetet mir sehr viel, da mir das Thema persönlich auch sehr am Herzen lag und ich es so gut wie möglich rüber bringen wollte.
      Genau, sowas ist wirklich tragisch. Gerade wenn es von den Eltern so vorgelebt wird, verfällt das Kind selbe in solche Muster.
      Oder auch an der Universität in Göttingen, gab es auch einige Suizid Opfer weil viele einfach garnicht mehr dem Druck, der auf einen lastete, stand halten konnte.

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      • tamysbuecherwelt schreibt:

        Ja, das hat viel mit Druck zu tun und wenn man mal ehrlich ist, wer steht heute nicht unter Druck? Man muss schneller, besser, weiter sein als alle anderen, egal ob im Job, in der Schule oder sogar hier, wenn man einen Blog führt. Ich denke nur, dass einige leichter damit umgehen können als andere, vielleicht auch, weil viele sich schon Hilfe gesucht haben. Aber da ist ja schon das nächste Problem: Sag mal in Deutschland (von anderen Ländern kann ich jetzt natürlich nicht ausgehen), dass du zu einem Psychologen gehst. Da hat man ja direkt den nächsten „Mobbinggrund“. Dann heißt es, man sei verrückt, schwach oder käme nicht mit seinem Leben klar. Bei manchen Aussagen fragt man sich wirklich, ob der Sprecher nicht viel eher mal einen Besuch beim Psychologen machen sollte.
        Man muss einfach klar machen, dass man sich Hilfe holen darf und MUSS, wenn es einem nicht gut geht, egal was Nachbarn, „Freune“ oder teils ja sogar Familienmitglieder sagen.

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      • Didi schreibt:

        Ja genau das ist es eben. Dieser ständige Druck, der aller beste zu sein lastet auf jeden von uns. Es geht hierbei langsam garnicht mehr um Menschlichkeit sondern viel mehr, wer den besten Profit bringt und das am schnellsten. Der Rest wird garnicht erst beachtet und in der Gesellschaft als „Verlierer“ bezeichnet. Dieses ganze Schulsystem drillt einen darauf, immer besser zu sein. Auf Individualität legt heutzutage keiner mehr wert drauf. Ich kenne zum Beispiel einige Schüler von der Hauptschule, die notenmäßig gesehen „dumm“ sind aber ein so großes Allgemeinwissen haben und so kreativ sind, dass sich jeder eine Scheibe von ihnen abschneiden könnte. Doch ganz egal wie kreativ du bist, jeder wird eher einen Abiturienten nehmen als jemanden von der Hauptschule. Das System sagt zwar, dass jeder die gleichen Chancen hat doch spätestens nach der 12ten Klasse sollte man bemerkt haben, dass dies nicht der Fall ist.
        Und jeder der Hilfe braucht weil er ein emotionaler und sensibler Mensch ist (was Menschlich gesehen, durchaus gute Eigenschaften sind) wird direkt ins Visier genommen und fertig gemacht, denn so hat man einen Konkurrenten weniger. Und wem kann man das schon verübeln? Je mehr Konkurrenten, desto mehr besteht die Chance, dass man selber von der Gewinner Seite auf die Verlierer Seite wechseln musst. Und wessen schuld ist es? Die des Staates, der Gesellschaft, der Eltern? Ich weiß es nicht.

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