I know you #18


POV Olivia

Deprimiert sehe ich aus dem Fenster. Ich will das nicht. Will nicht in eine Kleinstadt ziehen. Will nicht an das andere Ende des Kontinents ziehen. Meine Freunde sind in Miami, meine Uni ist in Miami, und ich sitze nun in einem Flugzeug, dass mich zu meinem Vater bringen soll. Und dabei wünsche ich mir nichts sehnlicher, als mich in mein Bett in Miami zu kuscheln und zu schlafen. Aber nein, mein alkoholabhängiger Vater zwingt mich ja, nach Forks zu ziehen. Deswegen befinde ich mich auch gerade über der Wolkendecke und sitze neben einem Nutella-Werbemann. Im Ernst, der sieht so aus, als würde er Werbespots drehen, in denen eine ganz normale, glückliche Familie ihre Brote mit Nutella bestreicht und die älteste Tochter eines davon wegschnappt, weil sie zu spät dran ist. Seit meinem 11 Lebensjahr wünsche ich mir so eine Familie. Eine ganze Familie, eine vollkommene. Stattdessen werde ich zum Arbeiten gezwungen, damit sich Dad Alkohl kaufen kann. Wütend schlage ich gegen den Sitz vor mir, was mir einen empörten Blick der Streichholzfrau auf dem Platz einbringt. Entschuldigend zucke ich mit den Achseln und widme mich dann wieder der Welt außerhalb des Flugzeuges. Ich hasse fliegen, aber die Aussicht ist toll. Wenn man nicht gerade über den Staat mit der höchsten Niederschlagsrate fliegt, so wie ich. Scheißwetter. In Miami strahlt fast immer die Sonne, hier so gut wie nie. Im Grunde weiß ich gar nicht, wie ich nach Forks komme. Mein Vater wird mich bestimmt nicht abholen.

Plötzlich wackelt das Flugzeug, und mein Magen macht einen Satz. Tourbulenzen. Klasse. Entnervt wende ich mich dem Innenraum des Flugzeuges zu. „Meine Damen und Herren, aufgrund der eben aufgetretenen Tourbulenzen bitten wir Sie, ihr Gurte anzulegen“, sagt die blonde Stewardess in ein Mikrofon, sodass es im ganzen Flugzeug zu hören ist. Ein rothaariger Mann stolpert aus der Toilettenkabine und hastet panisch auf seinen Platz, während ich nur kopfschüttelnd tue wie mir geheißen und dann wieder aus dem Fenster gucke. Ein erneuter Schwanker, der nicht enden will. Mittlerweile bekomme auch ich es mit der Angst zu tun. Das Wackeln soll aufhören. Muss aufhören. Doch nichts geschah, was die Menschen mit zunehmender Panik erfüllte. Und dann verloren wir an Höhe. Die Nase des Flugzeuges zeigte nach unten, was ein negatives G-Gefühl auslöste. Oder so. Das kam irgendwann in einer Serie. Ein lautes Geräusch erreicht meine Ohren, verbunden mit Schmerz, heftigem Schmerz. Und dann wurde die Welt um mich herum dunkel.

Schweißgebadet und ängstlich finde ich mich in meinem Bett wieder. Ein Traum. Es war nur ein Traum. Kein Grund zur Sorge. Vorsichtig werfe ich einen Blick aus dem Fenster, und erkenne erleichtert, dass ich mich noch in Miami befinde. Die Wellen des Meeres brechen sich am Strand. Kleine Kinder hüpfen fröhlich durch knöchelhohes Wasser. Das alles würde ich in Forks nicht zu sehen bekommen. Erschöpft lasse ich mich zurück in die Kissen fallen und schlafe augenblicklich wieder ein.

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