I know you #14


POV Olivia

„Was willst du?!“, fahre ich ihn an. „Mit dir reden“, entgegnet er sachlich. „Ich will aber nicht mit dir reden.“ Ric am anderen Ende lacht nur. „Glaubst du, das wüsste ich nicht? Deine ach so tolle Freundin hat mich in der letzten halben Stunde pausenlos angeschriehen, warum ich dir denn nichts erzähle, und das sei ja so unfreundlich und gar nicht gentlemenlike. Denkst du nicht auch, dass ich dir nicht alles erzählen muss?“ „Hast du gerade meine beste Freundin beleidigt?!“, frage ich, ohne auf seine zuvor gestellte Frage zu antworten. „Nein. Und jetzt rede mit mir.“ Seine Stimme hat eine Kühle angenommen, die sich nur kaum von der unterscheidet, mit der er Alex‘ Namen ausgesprochen hat. „Ich habe nicht die Absicht, weiter etwas mit dir zu unternehmen, wenn du mir nicht endlich sagst, war zur Hölle eigentlich mit dir los ist!“, fauche ich ins Telefon. Schweigen. „Ich muss dir nichts erzählen“, sagt er schließlich leise. Rics Flüstern schnürt mir die Kehle zu. Plötzlich wird mir alles zu viel. Moms Unfall, Rics Abweisungen und jetzt das. In den letzten 40 Minuten habe ich ausführlich über mögliche Szenarien nachgedacht, und dies war eines davon. Nervös beiße ich mir auf die Unterlippe. Ich weiß genau, was ich sagen sollte, dennoch habe ich tierische Angst davor. „Dann will ich nichts mehr mit dir zu tun haben. Scheiße, Ric, ich habe so lange darauf gewartet, dass du mir von alleine etwas erzählst, aber es kam nichts, Nie. Ich kann so nicht weiter machen. Es tut mir leid.“ Meine Stimme klingt monoton, beinahe wie von einer anderen Welt. Jeglicher Ton hat sich verabschiedet. Mit Tränen in den Augen lege ich auf und weine ungehemmt los, während ich mir sorgfältig die Haare ausspüle. Ich habe mit ihm Schluss gemacht. Weil er nicht mit mir redet. Ist das ein akzeptabler Grund? Ich weiß es nicht. Aber es tut weh. Und dabei habe ich ihn verlassen, nicht er mich. Dennoch. Letztendlich schminke ich mich ab, ziehe mir Jogginghose und Pulli an und stecke meine nassen Haare zu einem unordentlichen Dutt hoch. Nach getaner ‚Arbeit‘ schreibe ich Miranda eine Nachricht: Ich bin blöd. Hab mit ihm Schluss gemacht. Verdammt.

POV Miranda

Stirnrunzeld sehe ich auf das Display meines iPhones und lese die Nachricht, die Olivia geschrieben hat. Nach kurzem Nachdenken wähle ich eine Nummer. „Was gibt’s?“, meldet er sich. „Jimmy, wir treffen uns in fünf Minuten im Aufenthaltsraum. Und bring einen Pyjama mit. Wir schlafen bei Liv.“ Ohne eine Antwort abzuwarten lege ich auf und packe meine Sachen. Drei Minuten später betrete ich mit Tonnenweise Chips und anderen Süßigkeiten vollgestopfter Tasche den Aufenthaltsraum und ziehe James wortlos weg. „Erklärst du mir jetzt, was los ist?“, fragt er sichtlich beunruhigt. „Sie hat mit Ric Schluss gemacht“, entgegne ich ruhig und zerre ihn weiter. Fast im selben Moment sehe ich ihn. Alarics Gesicht ist blass und seine Augen leicht rot. Ohne uns eines Blickes zu würdigen stampft er an uns vorbei. „Er sieht scheiße aus“, flüstert mir mein bester Freund ins Ohr, und ich kann ihm nur zustimmen.

„Hey. Ist Olivia da?“, fragt James, obwohl wir die Antwort schon kennen. Ihr Stiefvater nickt und deutet auf die Treppe. Sie ist weiß, so wie alles in diesem Haus. Weiß. Alles weiß. Leise schleichen wir nach oben, stets darauf bedacht, kein Geräusch zu machen. Bedächtig klopfe ich an die Tür, die daraufhin beinahe sofort aufgerissen wurde. „Übernachtungsparty“, flüstere ich meiner verweinten Freundin zu.

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