I know you #8


*Ric* Trotz meines dröhnenden Schädels jogge ich am Strand entlang. Die warme Sommersonne scheint warm auf meinen Rücken und wärmt meinen Oberkörper. Ich habe das Gefühl, dass man locker Spiegeleier mittels meiner Körpertemperatur braten kann. Die Kinder, die bereits um 10 Uhr morgens am Strang sitzen und Sandburgen bauen, scheinen mein Leid nicht zu teilen, denn sie kreischen und lachen so laut wie noch nie, sodass mein Kopf noch stärker weh tut. Seufzend kneife ich mir in die Nasenwurzel, um die Schmerzen zu vertreiben, und beende meine Runde. Ich habe vor, nur bis zu Olivia zu joggen und mich dort unter ihre Dusche zu stellen, doch etwas beziehungsweise jemand stellt sich mir in den Weg.

„Na, sieh mal einer an. Michael, weißt du, wer das ist?“, lacht er höhnisch. Sein Freund stimmt ebenfalls in dieses Lachen ein. Es klingt widerlich. „Du hast also jetzt eine Freundin? Hast endlich wieder eine an dich ran gelassen? Ein süßes Mäuschen, diese Olivia. Ich könnte glatt in Versuchung kommen…“ Erneut lacht er.  Dieser Widerling. Hass steigt in mir auf. Unglaublicher, alles vernichtenden Hass. Ich schlage ihm ins Gesicht, mit voller Wucht. Sehr zu meinem Glück befinden wir uns in einer kleinen Baumgruppe etwa 300 Meter von Olivias Haus entfernt, also kann er ruhig aufschreien und Blut spuken. Hört ihn ja eh keiner. Und genau das tut mein Gegenüber, während Michael, sein Freund, einfach nur blöd dasteht und keinerlei Versuche unternimmt, ihm zu Hilfe zu kommen. Feigling. Er richtet sich wieder auf und möchte zurückschlagen, doch er kommt nicht dazu, denn ich stürze mich auf ihn und werfe ihn zu Boden. „Lass sie ja in Ruhe, Arschloch“, knurre ich, die Hände an seinem Hals. Ich drücke kurz fest zu, bevor ich aufstehe und einfach weiterlaufe, weiter in Richtung Liv. Michael, sein Freund, starrt mir wütend hinterher.

Er ist wieder da. Scheiße.

*Olivia*

„Mom?“, schreie ich fragend in das verlassene Haus. Keine Antwort. Achselzuckend kicke ich meine Flip Flops in die Ecke und begebe mich in Richtung Wohnzimmer. Auf dem Tisch liegt eine Ausgabe des 944 Magazines, darüber ein Zettel, der mit der sauberen Handschrift meiner Mutter beschreiben ist.

„Hey, Livy. Ich bin Mike abholen, er war im Golfklub und hat seinen Sieg etwas zu hart gefeiert. Im Kühlschrank stehen Erdbeeren, die müssen weg. Iss sie bitte.“

Das ist mal wieder typisch. Kein Abschiedswort, kein Sterbenswörtchen über ihren derzeitigen Aufenthaltstort. Es gibt mindestens 5 Golfclubs in der Stadt.

Ein Klopfen reißt mich aus meinen Gedanken. Alaric steht winkend an der Terrassentür, die ich nun öffne. „Hey“, sagt er leise und küsst mich flüchtig auf den Mund, bevor er an mir vorbei zur Treppe geht. Mit fragend zusammengezogenen Augenbrauen folge ich ihm. „Was ist los?“ Müde lächelt er mich an. „Wie kommst du darauf? Nichts ist los.“ Ich glaube ihm nicht. „Warum muss ich dir eigentlich jedes noch so kleine Detail aus der Nase ziehen? Irgendetwas stimmt nicht, das ist ja wohl klar! Ich studiere Psychologie, Ric! Ich kann durchaus Gesichtsausdrücke von Menschen lesen, und du bist im Moment wütend und besorgt, und zwar extrem!“, fahre ich ihn genervt an. Wir sind wohl beide überrascht von diesem Ausbruch, denn Ric kneift verwundert die Lippen zusammen, während ich entsetzt die Hand vor den Mund schlage. Ich hätte niemals gedacht, dass ich ihn so laut anschreien könnte. Doch anscheinend hat es gewirkt, denn Ric beginnt zögernd: „Ich habe nur jemanden von… früher getroffen. Hör zu: Falls dich jemand ansprechen sollte, der ungefähr in meinem Alter ist und blonde Haare hat, weise ihn ab und ruf mich an. Okay?“ Nervös beiße ich mir uaf die Unterlippe. Er hat mir Angst gemacht. „Warum?“, frage ich leise und piepsig. „Tu es einfach“, sagt er sanft, währt mir kurz mit den Knöcheln über die Wange und verschwindet im Bad, um zu duschen. Ich beschließe, dass ich jetzt erst einmal Nervennahrung benötige und mache mich auf den Weg in die Küche. Die Erdbeeren sind kalt und sehen in Nutella getaucht einfach köstlich aus. Seufzend esse ich eine nach der andere, bis Ric wieder runter kommt und sich ebenfalls bedient.

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2 Gedanken zu “I know you #8

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