I know you #1


„Livy! Wach auf, Süße, wir müssen bald los!“, motzt Miranda mich an. Meine beste Freundin ist schon perfekt geschminkt und angezogen, während ich Morgenmuffel im Pyjama in meinem über alles geliebten Bett liege. Ich spüre, wie mir die Bettdecke von Körper gezogen wird und es schlagartig kalt wird. Das Fenster muss offen sein. „Olivia Rosemarie Jones, wirst du jetzt wohl deinen fetten Arsch aus dem Bett bugsieren, damit wir pünktlich zur Vorlesung kommen?!“ Mirandas Blick könnte Vulkane zum Erlischen bringen. „Ich bin nicht Fett“, murre ich und schwinge meine Beine über die Bettkante. Ein Blick auf die Uhr verrät mir, dass es 9:00 Uhr ist. Um 10 Uhr haben wir eine Vorlesung. Scheiße!  Ich schnappe mir eine Jeansshort und ein mintgrünes Top und bin in Sekundenschnelle angezogen. Im Bad des Studentenwohnheims treffe ich auf Marlene, die sich dort schminkt. Das Wasser in ihrem Zimmer geht nicht, genau wie bei uns. Morgen kommt der Klempner, aber solange müssen wir die Gemeinschaftsbäder nutzen. „Morgen“ begrüße ich das jüngere Mädchen. Sie zieht eine perfekt gezupfte Augenbraue hoch und mustert mich. Achselzuckend stelle ich mich neben sie und bürste mein brünettes Haar. Es braucht nicht viel Pflege, da ich eh fast immer einen Pferdeschwanz trage. Prüfend betrachte ich meine Augen im Spiegel, während Marlene ihr blond gefärbtes Haar zurückwirft und verächtlich schnaubt, bevor sie verschwindet. Ja, ich muss meine Wimpern definitiv tuschen, sonst sehen meine blauen Augen so matt aus. Nach einem letzten prüfenden Blick gehe ich zurück in das Zimmer, das Miranda und ich uns teilen. „Randy, ich bin fertig, wir können gehen!“, rufe ich meiner BF zu. Sie stürmt einfach in den Flur und zieht mich mit. „Wurde auch Zeit!“ „Entspann dich Mädchen! Marly war auch noch da!“ Marly. Das ist der Name, den wir Marlene gegeben haben, als wir angefangen haben zu studieren.  „Habe ich da gerade etwas über unsere Lieblingsfreundin gehört? Ihr sollt nicht ohne mich lästern, das wisst ihr genau!“, schaltet sich eine uns sehr wohl bekannte Stimme ein. „Jimmy!“, rufen Miranda und ich wie aus einem Mund und fallen unserem besten Freund um den Hals. James Gordon ist Athlet, groß, ziemlich bescheuert und hat die Ferien bei seiner Mutter in England verbracht. „Ladies, ich weiß ja, dass ich unwiderstehlich bin, aber müsst ihr mich unbedingt erdrücken?“ Wir lassen ihn los, strahlen ihn an und machen Anstalten, weiterzugehen. Eine Weile laufen wir schweigend in Richtung Uni. Bis Miri es nicht mehr aushält. „Wann habt ihr zuletzt mit jemanden geschlafen?“ Ich schlage ihr auf den Arm. Das ist mal wieder typisch für sie. Immer muss sie alles wissen, über deinen Mestruationszyklus bis zu deinem ersten Kuss. „Was denn?! Ist doch nur eine Frage! Die ihr übrigens nicht beantwortet habt!“ James neben mir schweigt und lässt mir den Vortritt, ganz der Gentleman. Ich werfe ihm einen säuerlichen Blick zu, bevor ich antworte: „Letztes Jahr.“ „Dem können wir abhelfen“ Mein James nach einer ausgiebigen Musterung meines Aufzugs. Ich bleibe stehen und sehe ihn mit hochgezogener Augenbraue an. „Ja, James, wir haben es kapiert. Du bist nicht schwul. Können wir jetzt gehen? Die Vorlesung beginnt in zehn Minuten und Mr. Monet kann es nicht leiden, wenn man zu spät kommt. Los jetzt!“, zetert Miranda und zieht mich am Saum meines Tops in Richtung Hörsaal. James folgt uns mit einem anzüglichen Grinsen im Gesicht. Als meine BF dies bemerkt, lächelt sie spitzbübisch und fragt: „Und du, Jimmy? Du hast meine Frage nicht beantwortet. Also?“ Sein Grinsen ist wie weggefegt. „Oh… Vor zwei, drei Monaten“ Da ist sie wieder, diese Selbstsicherheit, die ihn noch attraktiver macht, als er es eh schon ist. Dennoch sehe ich ihn eher als Bruder, nicht als potenziellen festen Freund. Miranda fährt sich durch die langen blonden Haare und holt tief Luft. James und ich sehen uns an. Wir wissen beide, was das heißt: Sie hat mal wieder irgendein Gerücht aufgeschnappt, das sie uns nun erzählen wird. Und wenn sie einmal losgelegt hat, hört sie so schnell nicht wieder auf. „Habt ihr es schon gehört? Es gibt einen neuen Literaturstudenten. Hat einen deutschen Namen, den ich mir nicht merken kann. Irgendetwas mit A oder H. Oder war es B? Na ja, egal, jedenfalls soll er wahnsinnig heiß sein. Und dazu noch sportlich und groß und ein wenig südländisch Aussehen soll er auch. Gott, ich muss ihn kennenlernen“, schwärmt Miranda. „Wow. Mal etwas anderes, als immer diese dämlichen Wer hat mit wem geschlafen Spekulationen“, unterbreche ich sie, ehe sie noch mehr sagen kann. Gemeinsam betreten wir den Hörsaal. Marlene sitzt bereits in der ersten Reihe und wirft uns einen Blick zu, der töten könnte, ehe sie sich wieder zu Mr. Monet dreht. Die Neunzehnjährige lächelt den Fünfundsechzigjährigen an wie eine Prostituierte ihren Freier. „Guten Morgen, liebe Studenten! Bitte nehmt doch endlich Platz, damit wir anfangen können“, sagt der Professor mehr an Marly gewandt als an uns übrigen.

„Herr im Himmel, hat der mal wieder viel geredet. Haben wir heute eigentlich noch eine Vorlesung?“, fragt Miranda, als wir den Hörsaal gemeinsam mit den anderen Psychologiestudeten verlassen. „Nein, aber ich muss um Fünf beim Training sein. Football spielt sich bekanntlich nicht von alleine“, entgegnet James. „Super, dann können wir ja noch zum Meer!“ „Geht ihr zwei doch schon mal vor, ich will mir noch einen Milchshake holen. Ich hatte kein Frühstück, weil das ja leider nicht von Miss Mar genehmigt wurde“ Ich sehe Miranda sauer an und lasse die Beiden stehen. Mein Magen knurrt wie verrückt. Nachdenklich mache ich mich auf den Weg zum Kaffeeautomaten im Aufenthaltsraum unseres Wohnheims, während ich mit meiner rechten Hand nach Kleingeld suche. Was hat es nur mit dem Neuen auf sich? Sonst interessiert es niemanden, wenn jemand neu auf die Uni kommt. Meine Schritte hallen im ausgestorbenen Raum. Alle anderen sind jetzt am Meer oder in einer Vorlesung. Es hat ca. 30° draußen, was typisch für den Juli in Miami ist. Manchmal hasse ich die Hitze hier, doch dann denke ich an Mom, die mit ihrem neuen Freund in London wohnt. Oder an Dad, der eine Wohnung in Forks hat, einem Kaff in der Nähe von Seattle. „Oh mein Gott!“, stoße ich erschrocken hervor, als sich plötzlich zwei große Hände sanft um meine Schultern legen. Ich erkenne einen muskulösen Körper und sehnige Schultern, ich gehe den Typen gerade einmal bis zur Brust. Dann lasse ich meinen Blick nach oben wandern und blicke in ein Gesicht mit vollen Lippen, braunen Augen und einer geraden Nase. Er hat dichte Wimpern und schwarze Haare, die dem jungen Mann immer wieder in die Stirn fallen. „Tut mir leid, ich wollte dich nicht erschrecken, aber du warst kurz davor, gegen den Tisch zu rennen. Vielleicht achtest du besser auf deine Umgebung.“, sagt er mit einem entschuldigenden Lächeln und schüttelt sich das Haar aus dem Gesicht. Vielleicht weiß er das nicht, aber es ist unglaublich attraktiv. Seine Hände geben meine Schultern frei und er dreht sich um und ist kurz darauf verschwunden. Meine Lungen erinnern mich wieder an den Atem, den ich angehalten habe. Ich atme tief ein und kaufe mir einen Schokoshake. War das der Neue? Wenn ja, dann verstehe ich, warum er in aller Munde ist: Er ist unglaublich attraktiv und dennoch strahlt er etwas Geheimnisvolles aus, das mein Herz zum klopfen bringt. „Was ist los? Du warst lange weg und starrst jetzt wie bescheuert in den Himmel“, bemerkt Miranda, als ich mich zu ihr und James ins Wasser setze und mich an ihrer Sandburg beteilige.

(Alaric)

Da ist sie wieder, das blasse Mädchen mit den blauen Augen. Ihre langen braunen Haare fallen ihr heute in ungleichmäßigen Wellen über die schmalen Schultern. Ich hätte sie gestern nach ihrem Namen fragen sollen, aber dann hätte ich ihr meinen verraten müssen. Seit einem Jahr habe ich das nicht getan, zumindest nicht freiwillig. Und anvertraut habe ich mich auch keinem. Das Mädchen, das ich insgeheim Tischmädchen nenne, lacht über etwas, das ihre Freundin gesagt hat. Entspannt sieht sie noch hübscher aus als erschrocken. Sie wendet sich an den jungen Mann neben ihr, legt ihm die Hand auf den Unterarm und strahlt ihn an. Sie flirtet mit ihm, das kann ich von hier aus sehen. Ich wende mich ab und laufe in Richtung Sekretariat, da ich mich zum Football anmelden will und man hier irgendein dämliches Formular ausfüllen muss. In L.A war das anders, generell ist die Ostküste komisch. „Kann ich etwas für sie tun?“, fragt mich eine freundlich wirkende Dame. „Ja, ich bräuchte das Anmeldeformular für das Footballteam“ Sie schiebt mir drei rote Blätter zu und widmet sich dann wieder ihrem Kreuzworträtsel. Ich nehme mir einen Kugelschreiber aus der Halterung und fülle die dämlichen Fragen aus. Wie heißen Sie? Batman!, denke ich ironisch. Wie alt sind Sie? 20 Größe? 1.98 m. Gewicht? Was geht Sie das an? Haben Sie Erfahrung im Football? Nein, ich tue nur so! Arbeiten Sie neben ihrem Studium? Wenn ja, als was? Als Barkeeper im Imbiss um die Ecke. Hobbies? Football, Lesen, Sport generell. „Alaric Claus also. Ich habe mich schon gefragt, wie du heißt“, höre ich plötzlich hinter mir. „Tischmädchen!“, rufe ich erstaunt, als ich erkenne, wer mir da über die Schulter geguckt hat. „Nenn mich noch einmal so und ich zieht dich an den Ohren um den Campus. Ich bin Olivia“ Sie hält mir ihre kleine Hand hin und ich ergreife sie. „Alaric“ Ihre Hand geht in meiner fast unter. „Also, was verschlägt jemanden wie dich nach Miami?“,  fragt Olivia neugierig. „Der Tod meines Vaters. Ich muss mich um meine Mutter kümmern, weil sie ohne ihn nicht klarkommt“ Das ist meine Standartlüge. Ich erzähle sie oft, aber aus irgendeinem Grund behagt es mir nicht, dieses kleine Geschöpf vor mir zu belügen. Mein Unterbewusstsein sagt mir, dass sie die Wahrheit früher oder später herausfinden wird. Jetzt aber legt sie mir einfach nur mitfühlend die Hand auf den Arm. „Das tut mir leid“ „Was studierst du?“, lenke ich schließlich ab. „Psychologie, viertes Semester. Du?“ „Literatur, sechstes Semester.“ Sie will gerade etwas sagen, als eine helle Stimmer ertönt. „Livy? Kommst du? Wir müssen los!“ Olivia lächelt mich entschuldigend an. „Tut mir leid, ich muss los. Wir sehen uns, ja?“

Hey ihr Lieben!

Diese Story wird jetzt unregelmäßig und zu verschiedenen Zeiten kommen, wie generell alles, was ich poste, da ich sonst unter Zeitdruck stehe würde. Ich hoffe sehr, dass euch meine neue Story gefällt!

LG, crazyb00ks

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9 Gedanken zu “I know you #1

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