Story ohne Namen #45


*Marcel*

Gelangweilt lehne ich meinen Kopf an die kühle Fensterscheibe. „Marcel, Schatz, jetzt sei doch nicht so schlecht gelaunt! Du hast deine Großtanten seit Jahren nicht mehr gesehen!“, tönt es vom Vordersitz. „Drei Monate ist jetzt also ein Jahr. Das ist neu. Hast du es schon den Anderen gesagt? Ich denke, das sollten sie wissen“, antworte ich spöttisch. Meine Eltern wollen unbedingt, dass ich zu meinen drei Großtanten gehe. Sie sind bestimmt schon 80 Jahre alt und werfen Handys immer aus dem Fenster, wenn sie welche entdecken. Eine Whatsapp-Nachricht ploppt auf meinem Smartphone auf. Eine Nachricht von Celia, genauer gesagt ein Kontakt. Es ist Lenas Nummer. ‚Du solltest sie vielleicht mal anrufen. Oder ihr schreiben‘ steht darunter. Mehr nicht. Ich speichere die Nummer und öffne ihr Profil. Das Profilbild zeigt sie auf einer blühenden Blumenwiese, es ist wohl letzten Sommer aufgenommen worden. Sie strahlt regelrecht. Seufzend speichere ich das Bild und lese mir ihren Status durch. Schmerz ist, wenn man nicht mehr aufwachen möchte, weil jeder Traum schöner ist als die Realität! Das ist so anders, als CeeCees Bitch please, I’m fabulous! oder Annas Marry the Night! „Wir sind da!“ Meine Mutter reißt mich aus meiner Starre und öffnet mir die Tür. Schon von weitem höre ich das gezetere meiner Großtanten.

„Man wirft kein Besteck in die Tonne, wenn man es noch benutzen kann! Das ist eine himmlische Schande!!“ „Selma! Das ist Plastikbesteck, dass sollte man nur einmal benutzen!“, versucht Tante Sigrid sie zu beruhigen. „Nur weil manche Personen sich für Queen Elizabeth die Erste halten, heißt das noch lange nicht, dass sie auch eine Krone auf dem Kopf tragen!“, schaltet sich Tante Sibylle ein. Ich beiße mir auf die Lippe, um nicht laut loszulachen. Meine Mutter klopft an die Tür, doch die drei Teufelchen scheinen uns nicht zu hören. „Sibylle Hortensie! Wage es ja nicht, solche Worte in den Mund zu nehmen. Das sehe ich als eine Beleidigung der üblen Sorte!!“, kreischt Selma jetzt. „Hey! Könntet ihr uns jetzt bitte aufmachen?!“, brüllt mein Vater, dem es jetzt offenbar zu bunt ist. „Ja ja, kein Grund, uns anzuschreien, als wären wir schwerhörig!“, zetert Sybille und öffnet die Tür. Sigrid und Selma sitzen auf dem Sofa und lächeln uns an, als hätten sie nicht gerade das ganze Haus zusammengeschriehen.

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4 Gedanken zu “Story ohne Namen #45

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