Story ohne Namen #41


Wir sitzen immer noch in der Dusche. Ich habe Sebastian alles erzählt. Jetzt lehnt er mit dem Rücken an der gefliesten Wand. „Lass uns rausgehen.“, schlägt er schließlich vor und steht aus. Ich wische mir über die Wangen und tue es ihm gleich. Er hält mir das blaue Handtuch hin, in das er mich schon früher gewickelt hat. Es ist hellblau und sehr weich. Ich fühle wieder diese vertraute Geborgenheit, die ich schon viel zu lange nicht mehr gefühlt habe. Früher waren meine Eltern immer lange weg und Basti war dann immer für mich da. Er ist für mich eine Art Vaterersatz, weil ich meinen ja kaum sehe. Ich bin jetzt alt genug, um auf mich selbst aufzupassen. Das hat er gesagt. Mein Erzeuger. Den ich nie sehe. Basti sehe ich eigentlich auch kaum, weil er ja weit weg studiert. Psychologie. Er hat noch 3 Jahre vor sich, dann will er wieder hierher ziehen. Dann bin ich 17 und er 26. Ich muss noch 3 Jahre warten, um zu ihm zu ziehen. Das hat er schon vor langem mit unseren Eltern ausgemacht. Sie sehen mich ja eh nie. Haben mir nie ein Schulbrot geschmiert und meine Klassenarbeiten nicht durchgelesen, nur unterschrieben.

*Marcel*

Gähnend schwinge ich ein Bein über die Bettkante. Der erste Tag nach den Ferien. Der erste deutsche Schultag seit einem Jahr. Eigentlich sollte ich mich freuen. Tu ich aber nicht. Ich werde wahrscheinlich mit mehr Fragen bombardiert werden, als Nina Dobrev je beantwortet hat. „Marcel!! Zieh dich an! du kommst zu spät!!“, schreit meine Mutter von unten. Oh verdammt! Schnell werfe ich einen Blick auf den Wecker und erschrecke. Es ist 7 Uhr. Um 13 nach kommt der Bus. Wie vom Blitz getroffen ziehe ich mir das erstbeste über, das ich finden kann. Dann putze ich mir die Zähne, gele meine Haare und schnappe mir mein Schulbrot und den Kaffee. Meine Mutter hat wie immer alles auf den Tisch gelegt. Mit schnellen Schritten renne ich zum Bus und bekomme ihn sogar noch. „Sexy“, begrüßt CeeCee mich, als ich mich auf den von ihr freigehaltenen Platz fallen lasse. „Was?“ „Na, dein T-Shirt.“ Ich sehe an mir herunter. Und tatsächlich: Ich habe ein eng anliegendes Shirt an, eines von denen, mir denen ich immer Sport mache. Immerhin ist es gewaschen. Dennoch nehme ich mir fest vor, das nächste Mal auf meine Kleiderwahl zu achten. „Guck nicht so blöd aus der Wäsche, das sieht wirklich heiß aus!“, bemerkt Celia, als wir endlich aussteigen.

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2 Gedanken zu “Story ohne Namen #41

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