Story ohne Namen #48


*Celia*

„Oh, hallo Celia. Celia, das ist Kurt Lagerer. Kurt, das ist meine Tochter Celia“, stellt mein Vater uns einander vor. „Hallo, Celia. Ich bin der neue Mitarbeiter am Arbeitsplatz deines Vaters“ Der Dicke, Kurt, streckt mir seine Pranke entgegen. Widersträubend ergreife ich sie. Er drückt sie fest und schüttelt sie. Ich muss mir auf die Lippe beißen, um nicht laut aufzuschreien. Noch immer zerquetscht er meine Hand, während ich versuche, nicht mit der Wimper zu zucken. Er kann ja nicht wissen, dass ich ihn gesehen habe. Habe ich ihn überhaupt gesehen oder war das alles eingebildet? „Ich wollte eigentlich nur etwas sagen, aber das kann noch warten. Kann Anna kommen?“, frage ich vorsichtig. Mein Vater nickt und ich kann endlich aus dem Raum flüchten. Ich schließe die Tür und renne in mein Zimmer, wo ich mich mit dem Kopf an den Türrahmen lehne. Ganz ruhig. Ruhig. Es geht vorbei. Einfach weiteratmen. Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. Langsam spüre ich, wie der Druck von meiner Brust verschwindet. Dann ist er ganz weg und die Panikattacke ist vorbei. Schnell greife ich nach dem Handy, das auf meinem unordentlichen Schreibtisch liegt, und rufe Anna an.

Nach Zehn Minuten kommt sie endlich in Cems Begleitung. Meine beste Freundin setzt sich neben mich auf den kalten Boden, während Cem sich in seinem Zimmer verschanzt. Wir sitzen lange so da, bis sie aufsteht. „Sorry, aber mein Hintern ist ungefähr so warm, als hätte ich mich im Hochsommer in eine Tiefkühltruhe gelegt. Habt ihr Eis?“ „In das du dich reinlegen kannst? Nein, nur welches zum Essen“ Ich fahre mir übers Gesicht und stehe ebenfalls auf, um in die Küche zu laufen. Eis ist eine gute Idee. Eis ist IMMER eine gute Idee. „Also, wir hätte Vanille, Schoko, Erdbeere und…“ Ich werde vom Klingeln eines Telefons unterbrochen. „Ja? Oh, hab ich ganz vergessen… Muss das sein? Ja, komm wieder runter. Ich bin in Fünf Minuten da.“ Anna legt auf und sieht mich mitleidig an. „Sorry ich muss los. Cem ist ja da. Ich komm morgen wieder!“ Mit diesen Worten steht sie auf und geht.

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Story ohne Namen #47


*Anna*

„Papa, könntest du… Oh. ‚Tschuldigung“, sage ich verblüfft, als ich meine Tante im Arbeitszimmer meines Vaters entdecke. „Anna! Wie schön, dich zu sehen!“ Maike springt auf und umarmt mich fest. Ich bin so überrascht, dass ich gar nicht richtig reagieren kann. „Was machst du hier?“, frage ich sie daher. Die Neugier in meiner Stimme ist kaum zu überhören. „Oh, ich bin auf den Weg nach Italien, und da bin ich hier zufällig durchgefahren. Oh, du bist ja total gewachsen!“ Sie kneift mir so fest in die Wangen, dass es wehtut. „Was kein Wunder ist. Als du sie das letzte Mal gesehen hast war sie fünf. Was wolltest du, Anna?“, wendet er sich an mich. „Also, eigentlich wollte ich Geld fürs Kino“ „Mit wem? Doch nicht etwa mit einem Jungen?“ „Man ich bin Fünfzehn, ich kann ja wohl ins Kino mit wem ich will! Bekomme ich jetzt Geld?“

Als ich am Kino eintreffe ist Cem schon da. Er lehnt lässig an der Wand gegenüber des riesigen ‚Fifty Shedes of Grey‘ Plakates. „Findest du nicht, dass das ein etwas abwegiger Platz ist?“, frage ich ihn leicht spöttisch. „Wieso? ICH bin alt genug für den Film, DU nicht.“ „Das ist ungerecht. Ich will auch rein“ „Jetzt komm, ich hab die Karten schon gekauft, nachdem du zu spät gekommen bist. Wenn wir uns nicht beeilen verpassen wir die Werbung, und die ist das Beste am ganzen Film.“ Er küsst mich uns zieht mich in Richtung Kino sieben, in dem Kingsman läuft. Das ist zwar nicht 50SoG, aber immerhin Kino.

„Und, wie fandest du den Film?“, fragt Cem mich nach der Vorstellung und legt einen Arm um mich. „Es war nicht Fifty Shades of Grey!“, schmolle ich. Ich will schon in den Film, seit ich das Buch letztes Jahr gelesen habe. Aber außer Cem ist niemand alt genug, um da rein zugehen, und er ist strikter Gegner der SM-Szene. Was eigentlich schade ist. Er würde einen guten Christian Grey abgeben. Ich schmiege meinen Kopf an seine Schulter. „Ist das dein Handy?“ „Was? Oh, ja. CeeCee ruft an“ In meiner Handtasche spielt mein Handy „You’ll always find you way back home“ aus dem Hannah Montana Kinofilm. Es ist Celias Klingelton. „Hey, Süße, was gibts?“, begrüße ich sie. „Er ist da. Er ist hier! In meinem Haus!!“ „Wer ist da?“ Die Panik in ihrer Stimme beunruhigt mich. Cem seht mich mit gerunzelter Stirn an. „Na, er! Der Dicke! Bitte komm!!“

Story ohne Namen #46


*Celia*

Seufzend blicke ich auf die vernarbte Stelle an meinem Bein. Ich habe in letzter Zeit nicht mehr an meine ehemalige Wunde gedacht und nicht einmal bemerkt, dass sie schon vollkommen verheilt ist. „Lia? Bist du da drin?“, fragt Anna und klopft an die Tür der Kabine auf unserer Schultoilette. Schnell ziehe ich die Hose wieder über mein Schienbein und öffne die Tür. „Komm schon, wir haben Englisch! Du weißt ja, wie die Kuh austicken kann, wenn man auch nur fünf Sekunden nach dem Klingeln ins Klassenzimmer stürmt!“

Vorsichtig balanciere ich auf dem schmalen Streifen am Bordsteinrand. Eine Fuß kommt vor den anderen, wenn einer die Straße oder den eigentlichen Bordstein berührt, habe ich verloren Das mache ich schon seit ich klein bin immer gerne. So nähere ich mich unserem Haus, an dessen Tür schon wieder ein Schild hängt. Ohne es auch nur anzusehen öffne ich die Tür und trete ein. Ich möchte nicht schon wieder diese Panik spüren. Doch es ist unvermeidlich: Sobald ich drinnen bin, tanzen schwarze Punkte vor meinen Augen und mein Brust zieht sich zusammen. Meine Hände strecken und beugen sich und mein Augen sind zugekniffen. Einatmen. Ausatmen. Du schaffst das. Einatmen. Ausatmen. Siehst du, es geht schon weg. Einatmen. Ausatmen. Jetzt ist es viel besser. Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. Das war das Mantra meiner Mutter. Sie hat es früher immer vor sich hin gemurmelt, wenn sie eben soeine Panikattacke überrollte. Diese Attacken scheinen eine Art gendefekt zu sein, den stets die Frauen weiter geben. Diese Art von erbbarer ‚Krankheit‘ tritt immer erst im Alter von Fünfzehn bis Siebzehn auf, und es war klar, dass ich sie bekomme. Also bin ich nicht sonderlich überrascht, trotzdem muss ich es sagen. Damit umgehen hat Mama mit schon mit Zehn beigebracht. Nachdenklich suche ich Papa, der jetzt eigentlich zuhause sein sollte, um ihn davon zu berichten. Schlimm finde ich es nicht, es ist einfach nur ungerecht. Izzy wird es auch bekommen und, falls ich später eine bekomme, auch meine Tochter. Jungs sind davon ausgeschlossen, das ist dasselbe wie bei der Menstruation. Und genauso ungerecht. „Celia! Kann ich etwas für dich tun?“, fragt mein Vater, als ich in sein Arbeitszimmer eintrete. Neben ihm sitzt ein dicker Mann. Der dicke Mann.

Story ohne Namen #45


*Marcel*

Gelangweilt lehne ich meinen Kopf an die kühle Fensterscheibe. „Marcel, Schatz, jetzt sei doch nicht so schlecht gelaunt! Du hast deine Großtanten seit Jahren nicht mehr gesehen!“, tönt es vom Vordersitz. „Drei Monate ist jetzt also ein Jahr. Das ist neu. Hast du es schon den Anderen gesagt? Ich denke, das sollten sie wissen“, antworte ich spöttisch. Meine Eltern wollen unbedingt, dass ich zu meinen drei Großtanten gehe. Sie sind bestimmt schon 80 Jahre alt und werfen Handys immer aus dem Fenster, wenn sie welche entdecken. Eine Whatsapp-Nachricht ploppt auf meinem Smartphone auf. Eine Nachricht von Celia, genauer gesagt ein Kontakt. Es ist Lenas Nummer. ‚Du solltest sie vielleicht mal anrufen. Oder ihr schreiben‘ steht darunter. Mehr nicht. Ich speichere die Nummer und öffne ihr Profil. Das Profilbild zeigt sie auf einer blühenden Blumenwiese, es ist wohl letzten Sommer aufgenommen worden. Sie strahlt regelrecht. Seufzend speichere ich das Bild und lese mir ihren Status durch. Schmerz ist, wenn man nicht mehr aufwachen möchte, weil jeder Traum schöner ist als die Realität! Das ist so anders, als CeeCees Bitch please, I’m fabulous! oder Annas Marry the Night! „Wir sind da!“ Meine Mutter reißt mich aus meiner Starre und öffnet mir die Tür. Schon von weitem höre ich das gezetere meiner Großtanten.

„Man wirft kein Besteck in die Tonne, wenn man es noch benutzen kann! Das ist eine himmlische Schande!!“ „Selma! Das ist Plastikbesteck, dass sollte man nur einmal benutzen!“, versucht Tante Sigrid sie zu beruhigen. „Nur weil manche Personen sich für Queen Elizabeth die Erste halten, heißt das noch lange nicht, dass sie auch eine Krone auf dem Kopf tragen!“, schaltet sich Tante Sibylle ein. Ich beiße mir auf die Lippe, um nicht laut loszulachen. Meine Mutter klopft an die Tür, doch die drei Teufelchen scheinen uns nicht zu hören. „Sibylle Hortensie! Wage es ja nicht, solche Worte in den Mund zu nehmen. Das sehe ich als eine Beleidigung der üblen Sorte!!“, kreischt Selma jetzt. „Hey! Könntet ihr uns jetzt bitte aufmachen?!“, brüllt mein Vater, dem es jetzt offenbar zu bunt ist. „Ja ja, kein Grund, uns anzuschreien, als wären wir schwerhörig!“, zetert Sybille und öffnet die Tür. Sigrid und Selma sitzen auf dem Sofa und lächeln uns an, als hätten sie nicht gerade das ganze Haus zusammengeschriehen.

Story ohne Namen #44


*Celia*

Als ich aufwache ist es 4 Uhr Nachts. Neben mir liegt Cem. Er ist mir den ganzen gestrigen Tag nicht von der Seite gewichen. Vorsichtig streiche ich ihm die Haare aus der Stirn und schwinge dann ein Bein und Papier, um Cem eine Nachricht zu schreiben. `Guten Morgen! Wenn du das ließt, dann bin ich vermutlich noch weg. Ich wollte dich nur darüber informieren, dass ich joggen gegangen bin. Um 4 Uhr morgens. Mein Handy ist an und auf laut und GPS ist aktiviert. Warum ich so paranoid bin? Na ja, vielleicht weil ihr mir gestern total Angst gemacht habt! Wenn ich um 7 Uhr noch nicht da bin, dann ruf mich bitte an. Celia xo´

Hoffentlich kann Cem mein gekritzel lesen. Ganz leise hole ich mir mein Sportzeug aus dem Schrank und suche meine Kopfhörer. Dann schleiche ich die Treppe runter. Meine Nikes stehen schon vor der Tür, was kein Wunder ist, da ich gestern damit rumgelaufen bin. Die Nachtluft ist kühl und angenehm. Ein leichter Wind kommt auf und ich atme tief ein. Dann setzen sich meine Füße von alleine in Bewegung und ich jogge in Richtung Innenstadt. Kurz vor dem eigentlichen Stadtzentrum biege ich rechts ab und befinde mich in einer Straße, in der ich noch ne war.

Etwa eine Stunde später komme ich verschwitzt Zuhause an. Ich habe wunderschöne Orte gesehen, an denen ich noch nie war. Es tut gut, zu wissen, wo man hinkann, wenn man Stress hat. Und ich weiß es: Ich werde einfach genau denselben Weg nehmen, den ich heute Nacht genommen habe. Oder war es morgen? Leise drücke ich die Türe auf und schleiche in mein Zimmer. Alle anderen sind schon wach. „Nein, sie kommt nicht mehr, sie ist krank. Ich habe ihr gesagt, dass sie weiterschlafen soll und ich euch ausrichte, dass es ihr nicht gut geht“, ertönt gerade Cems Stimme aus der Küche. Kurz darauf höre ich, wie er die Treppe hinauf kommt. „Ah, du bist wieder da!“

Für Rechtschreibfehler haftet mein Handy. 

LG, crazybooks

Story ohne Namen #43


*Celia*

Nein, nein, das kann nicht sein. Jeder könnte ein Stück Papier mit einer Spritze verzieren und dann „Ich sehe dich“ drauf schreiben „Ich sehe dich, ich sehe dich…“, murmle ich leise vor mich hin, während ich panisch auf das Blatt an der Türklinke starre. „Ich sehe dich, ich sehe dich…“ Ich werde immer lauter. „Lia?“, fragt ein sehr besorgter Cem neben mir. Wie ist er… Ach ja, er ist durchs Fenster geklettert. Sein rechter Zeigefinger streicht über meine linke Wange und wischt etwas weg. Erst jetzt merke ich, dass ich weine. Tränenbäche fließen mir übers Gesicht und enden schließlich in dem Schal, den ich locker um meinen Hals geschlungen habe. „Sag mir, dass das ein Scherz ist!! Sag mir, dass das nicht von IHM kommt!“, schluchze ich, trotz des Wissens, dass ich hysterisch werde. Meine  Knie knicken unter meinem Gewicht ein und mein Körper sackt zusammen. Warum genau ich so hysterisch und panisch bin weiß ich nicht. Aber ich zittere am ganzen Körper und habe die Hände vors Gesicht geschlagen. „Celia hör auf damit! Du machst mir Angst!!“, höre ich Cems panische Stimme, bevor er seine Arme um mich schlingt und mich in mein Zimmer trägt. Ich lege ihm meine Arme um den Hals und vergrabe mein Gesicht an seiner Schulter. Er setzt sich auf mein Bett und streicht mir beruhigend über den Rücken. „Warum bist du nur so hysterisch? Du hast doch nur ein Schild gesehen…“, murmelt er leise. Ich schließe meine Augen und atme tief durch. „Ich weiß es nicht!“, sage ich schließlich.

*Cem*

Nachdem Celia endlich eingeschlafen ist verlasse ich leise das Zimmer. Warum ist sie so panisch geworden? Sie hat auf das Schild gestarrt als wäre es der Teufel höchstpersönlich! Ich schleiche die Treppe herunter und suche mein Handy in meiner Schultasche. Die Akkuanzeige blinkt gelb, aber für einen Anruf bei Anna muss es genügen. „Hey, was geht?“, meldet sie sich nach dem Tuten. „Hast du eine Ahnung, warum Lia so ängstlich geworden ist, nachdem sie ein Blatt Papier gesehen hat?“ „Was war auf dem Papier?“ „Eine Spritze und ein „Ich sehe dich“ Schriftzug“ Auf der anderen Seite der Leitung wird es für eine Weile still. „Wo ist sie?“, ertönt es dann endlich. „Ähm, in ihrem Zimmer. Sie schläft. Warum?“ „Geh zu ihr und lass sie nicht allein. Bitte“ Okay, das ist interessant. „Warum? Was ist denn so schlimm an einem einzigen Zettel?!“, frage ich aufgebracht. „Cem, hör mir zu und werd´ nicht gleich so aggressiv. Du weißt, was passiert ist? In den Sommerferien?“ „Ja weiß ich, also behandle mich nicht wie ein Kind. Sie hat ihre Mutter verloren, als sie selber fast umgekommen ist. Und ist erstaunlicherweise extrem schnell darüber hinweggekommen“, sage ich wütend. Warum werde ich eigentlich von allen so behandelt, als wäre ich 5, wenn es um dieses Thema geht? „Vertraut sie Sula?“, schallt es aus dem Lautsprecher, den ich angemacht habe um Essen zu machen. Was ist das denn für eine Frage? „Nein“ „Dann ist sie nicht über den Tod ihrer Mutter hinweg gekommen“ Sie macht eine kurze Pause. „Anders als ihr Vater“, schnaubt sie verächtlich. „Der hat sich ´ne neue Freundin gesucht. Aber zurück zum Thema: Celia hat eine komische Substanz GESPRITZT bekommen. Von einem ´dicken Mann´, wie sie ihn beschreibt. Ich an ihrer Stelle wäre zusammengebrochen. Ich bin in 10 Minuten da. Setz dich solang zu ihr“ „Wenn du meinst. Der Schlüssel liegt unter der Vase links neben der Tür“

Hey ihr Lieben!

Ich habe jetzt erst bemerkt, dass die noch Story nicht gepostet ist. Tut mir echt wahnsinnig leid!!! Wir haben mal wieder Internetabstürze des Todes!!! Ich hoffe, dass ihr das versteht. 

Für Rechtschreibfehler und Zeitwechsel haftet mein PC.

LG crazyb00ks.

Story ohne Namen #42


*Marcel*

Vor mir läuft Celia und unterhält sich mit Anna. Die Beiden scheinen angeregt zu diskutieren. Vielleicht geht es ja um Cem und Anna. Oder um Lena und mich. Wenn es letzteres ist, dann möchte ich wirklich kein Risiko eingehen. Mark neben mir sieht mich aus den Augenwinkeln an. Er ist Melissas Bruder, die mit Zacks Bruder geht. Und Zack geht mit Celia. Die ist Cems Stiefschwester, der mit Anna geht, die wiederum CeeCees beste Freundin ist. Himmel, ist das kompliziert. Mark geht zu seiner Freundin, und ich erschrecke Celia, indem ich ihr einen Arm um die Schultern lege. Sie zuckt zusammen, lässt es aber über sich geschehen. „Himmel, Marcel! Das Shirt steht dir voll!!“, höre ich Anna sagen. Ich verdrehe die Augen gen Himmel. Warum muss mir das eigentlich jedes Mädchen, das ich kenne, unter die Nase reiben?! „Und, was habt ihr zwei süßen so getrieben?“, frage ich, um von mir abzulenken. Es funktioniert. „Wir wurden zu einer Woche Cafeteria-Dienst verdonnert. Weil wir der ollen Birke zu laut waren.“, beantwortet Anna meine Frage. Celia schweigt noch immer. „Und Lia wurde für ihr gutes Benehmen in Kunst gelobt. Das ist nur, weil ich nicht neben ihr sitze.“ Hat sie gerade Lia gesagt? „Lia? Du hängst zu viel mit Cem ab.“ Celia hat noch kein Wort gesagt. „Hey! Ich mach gar nicht…“, setzt Anna an, aber CeeCee unterbricht sie. „Hey, Romeo! Da ist deine Julia!“ Sie zeigt mit einem schwarz lackierten Fingernagel auf Lena. Was? Oh. Wow. Lena hat uns bemerkt und starrt mich an. Schnell nehme ich den Arm von Celias Schultern und wende mich an Mark, der wieder zu uns getreten ist. „Oh wow. DAS war ja mal wirklich unauffällig. Das musst du echt noch üben. Fühlst du dich jetzt cool?!“, fährt CeeCee mich an. „Waaaahnsinnig“, sage ich, nehme die Hände hoch und schüttle sie. Gegen ihren Willen müssen die beiden Mädchen grinsen. Lächelnd verabschiede ich mich von ihnen und gehe zurück zu meinem Klassenzimmer. Das Klingeln, das das Ende der Pause verkündet, begleitet mich.

*Cem*

Nach der Englischklausur durften wir nach Hause gehen. Schritt für Schritt setze ich einen Fuß vor den anderen und versuche, die schrecklichen Kopfschmerzen zu verdrängen. Lia neben mir chattet mit Marcel und Anna. Sie haben sogar einen Gruppenchat. Mich würde es nicht wundern, wenn es bald einen Pärchenchat geben wird. Bis dahin sollten sich Lena und Marcel allerdings ausgesprochen haben. Zwischen denen gab es wohl ordentlich Krach und sie haben sich getrennt. Wenn sie jemals zusammengewesen sind. „Hey, hast dus schon gehört? Sebastian ist über die Semesterferien wieder da!“, reißt Celia mich aus meinen Gedanken. Sie nimmt gerade eine Sprachmemo auf. Sebastian, Sebastian… Wo habe ich den Namen schon einmal gehört?? Ach ja, genau! Das ist doch Lenas großer Brunder. Ich hab ihn ein paar Mal gesehen als ich zu Anna gelaufen bin. Er wohnt dort ganz in der Nähe. „Was? OMG, wir müssen ihn besuchen!!!“, schallt Annas Stimme aus CeeCees Handy. „Man, Lia, kannst du das nicht leise machen?! Wozu gibts denn Kopfhörer?!“; fahre ich sie an. Ich kann das alles einfach nicht mehr ertragen. Endlich sehe ich dir Tür unseres Hauses und spurte los. An der Klinke klebt ein Schild, das ich einfach dort lasse. Ich will nur noch ein Aspirin nehmen und schlafen. Als ich gerade das Anspirin geschluckt habe sehe ich aus dem Fenster und sehe Celia, die mit geweiteten Augen auf das Schild starrt.

Story ohne Namen #41


Wir sitzen immer noch in der Dusche. Ich habe Sebastian alles erzählt. Jetzt lehnt er mit dem Rücken an der gefliesten Wand. „Lass uns rausgehen.“, schlägt er schließlich vor und steht aus. Ich wische mir über die Wangen und tue es ihm gleich. Er hält mir das blaue Handtuch hin, in das er mich schon früher gewickelt hat. Es ist hellblau und sehr weich. Ich fühle wieder diese vertraute Geborgenheit, die ich schon viel zu lange nicht mehr gefühlt habe. Früher waren meine Eltern immer lange weg und Basti war dann immer für mich da. Er ist für mich eine Art Vaterersatz, weil ich meinen ja kaum sehe. Ich bin jetzt alt genug, um auf mich selbst aufzupassen. Das hat er gesagt. Mein Erzeuger. Den ich nie sehe. Basti sehe ich eigentlich auch kaum, weil er ja weit weg studiert. Psychologie. Er hat noch 3 Jahre vor sich, dann will er wieder hierher ziehen. Dann bin ich 17 und er 26. Ich muss noch 3 Jahre warten, um zu ihm zu ziehen. Das hat er schon vor langem mit unseren Eltern ausgemacht. Sie sehen mich ja eh nie. Haben mir nie ein Schulbrot geschmiert und meine Klassenarbeiten nicht durchgelesen, nur unterschrieben.

*Marcel*

Gähnend schwinge ich ein Bein über die Bettkante. Der erste Tag nach den Ferien. Der erste deutsche Schultag seit einem Jahr. Eigentlich sollte ich mich freuen. Tu ich aber nicht. Ich werde wahrscheinlich mit mehr Fragen bombardiert werden, als Nina Dobrev je beantwortet hat. „Marcel!! Zieh dich an! du kommst zu spät!!“, schreit meine Mutter von unten. Oh verdammt! Schnell werfe ich einen Blick auf den Wecker und erschrecke. Es ist 7 Uhr. Um 13 nach kommt der Bus. Wie vom Blitz getroffen ziehe ich mir das erstbeste über, das ich finden kann. Dann putze ich mir die Zähne, gele meine Haare und schnappe mir mein Schulbrot und den Kaffee. Meine Mutter hat wie immer alles auf den Tisch gelegt. Mit schnellen Schritten renne ich zum Bus und bekomme ihn sogar noch. „Sexy“, begrüßt CeeCee mich, als ich mich auf den von ihr freigehaltenen Platz fallen lasse. „Was?“ „Na, dein T-Shirt.“ Ich sehe an mir herunter. Und tatsächlich: Ich habe ein eng anliegendes Shirt an, eines von denen, mir denen ich immer Sport mache. Immerhin ist es gewaschen. Dennoch nehme ich mir fest vor, das nächste Mal auf meine Kleiderwahl zu achten. „Guck nicht so blöd aus der Wäsche, das sieht wirklich heiß aus!“, bemerkt Celia, als wir endlich aussteigen.

Story ohne Namen #40


Seufzend lasse ich das kalte Wasser über meinen nackten Körper laufen. Endlich bin ich wieder Zuhause. Ich habe mir sofort die geliehenen Kleider ausgezogen und bin unter die Dusche gehüpft. Zum Glück bin ich allein zuhaus, also muss ich nicht zuschließen. Mama und Papa kommen erst morgen Abend, und auch nur, weil da die Schule wieder beginnt. Die Kühle des Wassers vertreibt meine überflüssigen Gedanken. Marcel bleibt jedoch. Ich bekomme ihn einfach nicht aus dem Kopf. Er sieht aus wie ein blonder Gott. Nein, besser. Wie konnte ich Idiotin mich nur auf Niklas einlassen?! Ohne ihn wäre das Alles nicht passiert. Wobei er schon etwas gekränkt war, dass sowohl Anna als auch ich nicht um ihn trauern. Anna hat sich Cem gekrallt und ich bin mit Marcel im Bett gelandet. Sorry, Nikki. Aber er hat sich ja schon jemand neues gesucht: Celia. Aber ob Zack das gefallen wird… Ein scharfer Schmerz schießt durch meinen Fuß und reißt mich aus meinen Gedanken. Meine Shampooflasche ist mir auf meinen kleinen Zehen gefallen. Es tut enorm weh. Ich fluche leise. „Na, wer flucht denn da so laut?!“ fragt eine spöttische Stimme. Kurz darauf wird die Duschkabine geöffnet und mein Bruder kommt zu mir unter den kalten Wasserstrahl. „Iih, das ist ja ganz kalt!“ „Spinnst du eigentlich?! Ich war hier zuerst!!“ „Keine Sorge, Schwesterchen, hier ist Platz genug für uns beide. Ist das Papas Duschgel?“ „Man Basti, kannst du dich nicht mal ankündigen?!“ fahre ich ihn an. Eigentlich studiert er in Berlin, und manchmal kommt er überraschend, weil er Semesterferien hat. „Du freust dich ja gar nicht.“ motzt er gespielt schmollend. „Doch tu ich, aber ich bin nackt und du auch und ich habe eine anstrengende Zeit und…“ Plötzlich ist alles zu viel. Niklas´ Betrug, die Sache mit Marcel, der Prüfungsstress in der Schule, dass meine Eltern nie da sind und dann doch Sebastian, der hier überraschend auftaucht. Ich lasse mich auf die Knie fallen und weine hemmungslos, während der kalte Wasserstrahl über meinen gekrümmten Körper fließt. Basti lässt sich zu mir runtersinken und streicht liebevoll eine Haarsträhne aus meinem ihm zugewandten Gesicht. „Hey, was ist los?“ fragt er liebevoll.